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Im deutschen Reich · 1907-02-01 · Heft 2 (Februar 1907) · p. 93

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 2 (Februar 1907)
Article
aus der Geisteswerkstatt zweier Philosophen
Date
1907-02-01
Page
93 (sequence 1)
Language
German
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93 Aus der Oeisteswerkstatt zweier WilosopHen. Von vr. Carpin. ^^ustav Glogau, ordentlichem Professor der Philosophie an ZWr der Kieler Universität, welcher vor 10 Jahren auf einer Studien- und Erholungsreise nach Griechenland bei einem Ausflug von Athen nach Delphi durch einen Eisenbahnunfall einen sähen schrecklichen Tod fand, hat seine Gattin zur zehnjährigen Wiederkehr des Unglückstages, in wehmütiger Erinnerung an den erlittenen Verlust, eine Schrift gewidmet, die auch in weiteren Kreisen Beachtung zu finden wohl verdient: Gustav Glogau, sein Leben und sein Briefwechsel mit Steinthal." Für die Leser dieser Zeitschrift kommt eigentlich nur der zweite Teil in Betracht; zum Verständnis dieses Briefwechsels ist aber die Kenntnis von Glogaus Lebenslauf unerläßlich. Von diesem Gesichtspunkt aus wollen wir auch aus den ersten Teil der im einzelnen wie im ganzen durchaus lesenswerten Schrift etwas näher eingehen. Zunächst müssen wir dem Irrtum entgegentreten, der durch den Namen Glogau sehr leicht hervorgerusen werden könnte, als ob der Träger dieses Namens von Geburt oder Abstammung Jude gewesen wäre. Gustav Glogau war vielmehr sowohl väterlicherwie mütterlicherseits einer pietistischen lutherischen Pastorenfamilie entsprossen. Er selbst blieb sein ganzes Leben lang ein gläubiger evangelischer Christ, der sogar infolge einer gewissen Bismarck-Schwärmerei politisch zu konservativen Anschauungen hinneigte, jedoch ohne jeden Einschlag von konfessioneller Voreingenommenheit oder gar antisemitischer Verbohrtheit. Einen solchen, auf religiösem Fanatismus oder angeblichem Rassevorurteil, in Wirklichkeit aber meist aus bloßem Neid oder geschäftlicher Spekulation beruhendn Standpunkt schloß, abgesehen von der Vornehmheit seines Wesens, sein Verhältnis zu Steinthal — damit kommen wir' auf den Hauptpunkt unserer Ausführungen — völlig aus. Das Verhältnis beider Männer zu einander, ursprünglich das eines Schülers zu seinem Lehrer, gedieh allmählich Zu dem freundschaftlichen Du. In Chajim (Hei-

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