Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1907-01-01
- Page
- 52 (sequence 1)
- Language
- German
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52 Im deutschen Reich. Uereinsnachrrchten. ^u^nfolge des überaus ungünstigen Wetters war die am 27. November im Apollo-Saale des „Deutschen Hofes", Luckauerstraße 15 abgehaltene Versammlung der Central- Vereins-Gruppe SW. nicht so Zahlreich besucht, wie sonst unsere zumeist überfüllten Versammlungen Zu sein pstegen. Die Versammlung hat aber trotzdem einen sehr anregenden Verlauf genommen und alle Teilnehmer sichtlich befriedigt. Nach einer Begrüßungsansprache, in der Herr Justizrat I)r. Guttsmann einen Rückblick auf die unsere Glaubensgenossen im In- und Auslände berührenden politischen Angelegenheiten bot, erhielt Herr Professor Dr. M. Philippson das Wort zu einem Vortrage über „Die höfische Kamarilla unter Friedrich Wilhelm IV. und deren Folgen für die preußischen Juden." In höchst interessanter Weise schilderte der Redner, wie der vielseitige Fürst, der wegen seiner phantastischen Veranlagung als der „Romantiker auf dem Thron" bezeichnet wurde, nach und nach nur dem Anschein nach ein absolutes Regiment geführt hat. In Wirklichkeit sei er von seiner höfischen Umgebung (Rauch, Gerlach, Edwin von Manteuffel, von Massow, von Alvensleben, Niebuhr u. a. m.), die seiner Neigung zum Mystizismus sröhnte und seine unüberwindliche Abneigung gegen die ihm 1818 abgezwungene Verfassung zu benutzen verstand, vollständig beherrscht worden. Das rückschrittliche freiheitsfeindliche Treiben dieser Umgebung, die das Volk in Erinnerung an eine ähnliche Clique, die in Spanien unter Ferdinand VII. ihr Unwesen trieb, die „Kamarilla" nannte, wurde selbst dem von ihr anfangs emporgehobenen Minister Otto von Manteuffel oft zu arg. Dieser mußte selbst, als er den Rang eines Ministerpräsidenten erreicht hatte, sich dem Willen der mächtigen Nebenregierung beugen, die durch den gewandten General von Gerlach weit öfter das Ohr des Königs hatte, als der streng bureaukratisch angelegte Ministerpräsident, außerdem aber in der „Kreuz- Zeitung" ein Organ besaß, in dem der Geheimrat Wagener in so scharfer Weise jeden Fortschritt bekämpfte, daß selbst in den