Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- Die russische Revolution und die russischen Juden
- Date
- 1907-01-01
- Page
- 33 (sequence 30)
- Language
- German
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Die rrlfftsche Revolution und die russischen Juderr. ZZ Ob oon revolutionärer, oder von wohlmeinender Seite, das sage ich nicht, — man hat aber die Reden dieses Zaren, dieses Autokraten gesammelt, man hat sie mit einer außerordentlich anerkennenden Vorrede drucken lassen. Man wollte sie in Rußland verbreiten. Und setzt geschah das Außerordentliche: die russische Zensur war der Ansicht, daß es für das russische Volk besser sein würde, wenn es die gesammelten Reden seines Zaren nicht kenne-und dieses kleine Buch mit den Reden des Zaren wurde von der Zensur unterdrückt. (Schallende Heiterkeit.) Was in Rußland auf dem Spiel steht, das ist nicht allein das Leben von 6 Millionen Juden; es ist auch nicht allein die Frage, ob dieses oder jenes politische System, ob der Liberalismus oder der Radikalismus in Rußland schließlich die herrschende Macht sein wird; es steht sür das russische Volk viel mehr aus dem Spiele, nämlich die russische Großmachtstellung. Es ist undenkbar, daß ein modernes Reich bei einer Regierungsmethode, wie sie in Rußland herrscht, seine Großmachtstellung aufrecht zu erhalten in der Lage ist. Auf den Zusammenbruch in Ostasien müssen andere Zusammenbrüche solgen, wenn nicht diese Politik finanziell und ideell, wirtschaftlich und geistig in andere Bahnen gelenkt wird, wenn nicht eine allseitige, befreiende Kräftigung eintritt, wenn nicht jene eiserne Faust von Hirn und Magen des russischen Volkes fortgestoßen werden kann, die heute noch dort lastet. So steht denn viel mehr auf dem Spiele als tatsächlich die Interessen dieser oder jener politischen Doktrin oder dieser oder jener religiösen Richtung. Tatsächlich kämpft dieses russische Reich nicht nur um seine ideelle und wirtschaftliche Freiheit, sondern die besten Männer Rußlands sind sich vollkommen klar darüber, daß der Kamps, den sie führen, gleichzeitig auch ein Kampf um die Großmachtstellung Rußlands ist, weil man mit verhungerten Bauern und mit verdummten Massen eine Großmachtstellung in der Welt nicht aussüllen kann. Dieser Umstand, meine Damen und Herren, kann uns die Zuversicht geben, daß über kurz oder lang dieses mächtige russische Volk doch seinen Willen durchsetzen wird, daß bessere Zeiten für Rußland Heraufziehen werden, daß die Zivilisation auch in Rußland siegen wird; und der Sieg der Zivilisation in Rußland wird zugleich ein namen-