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Im deutschen Reich · 1907-01-01 · Heft 1 (Januar 1907) · p. 10

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
13 (1907)
Issue
Heft 1 (Januar 1907)
Article
Die russische Revolution und die russischen Juden
Date
1907-01-01
Page
10 (sequence 7)
Language
German
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10 Im deutschen Reich. Freunde haben mir die Versicherung gegeben, daß Gapon in einer Loge dieser Versammlung, in der dle schärfsten Resolutionen gefaßt wurden, beigewohnt hat. Ob die Regierung oder die Polizei von seiner Anweienheit nichts gewußt haben, das lasse ich dahingestellt. Jedenfalls war Gapon in der Lage, in das Ausland zu entfliehen und dort ein eigenartiges Spiel zu treiben. Er stellte sich den revolutionären Organisationen zur Verfügung. Er hat auch ein Flugblatt verfaßt, das in schwungvoller und eindring licher Weise die russische Landbevölkerung auffordert, von den Pogromen abzustehen. Dieses Fluglarr ist in Rußland in Huuderttausenden von Exemplaren verbreitet worden, und dieser Mann, der sprachgewalttg hier für die Zivilisation eintrat, war gleichzeitig doch auch bereit, in Paris in bedenklicher, recht lustiger Gesellschaft sehr große Summen der revolutionären Parteien zu vergeuden. Die russischen revolutionärenParteien konnten sich überdies der Ueberzeugung nicht enlschkagen, daß dieser Mann, der mit ihnen in engster Beziehung stand, und den sie in gewissem Umfange zu Danke verpflichtet waren, gleichzeitig Beziehungen zur russischen Regierung unterhielt. Es war denn auch charakteristisch, daß Gapon in der Zeit, als die russische Regierung die Zügel locker hielt, nach Rußland ungehindert zurückkehren konnte. Er ist dann schließlich auf geheimnisvolle Weise in Finland, wenige Stunden von Petersburg entfernt, ermordet worden. Dieser Abschluß seines Lebens ist wiederum besonders interessant. Man hat mir gesagt, und es ist wahrscheinlich, daß die russischen revolutionären Parteien diesen Verräter beseitigen wollten, aber es scheint, daß die russische Polizei von dem Attentate Kenntnis hatte und daß sie nichts getan hat, um das Attentat zu verhindern, und zwar aus dem Grunde, weil derselbe Mann, der mit einem Fuß im Lager der Revolutionäre stand, mit dem anderen Fuße im Lager der Polizei sich befand. Er, der so jeden festen Halt verloren hatte, wurde als Verräter von den Revolutionären wie von der Polizei gefürchtet, und beide waren bereit, ihn zu opfern. Dieses Vorgehen der russischen Regierung, das mit der Revolution spielte, ist außerordentlich charakteristisch, und ich werde Ihnen zeigen können, wie dieses Spiel nach dem gleichen Rezepte wiederholentlich und zwar in verhängnisvollster Weise von der russischen Regierung fortgesetzt worden ist. Aber eins^hat die russische Regierung jedenfalls nicht erreicht; es ist

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