Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 13 (1907)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1907)
- Article
- Die russische Revolution und die russischen Juden
- Date
- 1907-01-01
- Page
- 9 (sequence 6)
- Language
- German
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Die russische Revolution und die russischen Juden. 9 übergab sie dem Polizeimeister Trepow, der sie seinerseits außerhalb der Weichbildgrenze laufen ließ. Die Streik-Agenten gingen dann nach Petersburg, und dort wurden sie nicht etwa nach russischer Art wieder in das Gefängnis gesteckt, sondern die von Trepow, der damals erst am Beginn seiner Laufbahn stand, Freigelassenen organisierten nunmehr Streiks in Petersburg. Ein Spätling aus dieser Gruppe ist zweifellos der Priester Gapon, ein psychologisch außerordentlich interessanter Mann, den in seinen Motiven Zu erkennen, auch heute noch schwer, vollkommen zu erkennen, vielleicht unmöglich ist. Sie erinnern sich, daß Gapon zunächst mit Unterstützung der Regierung große Organisationen der Petersburger Arbeiter ins Leben rief, daß dann die Regierung plötzlich die Gefahr, die in diesen Organisationen lag, erkannte und nunmehr diese Organisationen wieder aufzulösen, ihre Wirksamkeit zu hemmen suchte. Es war aber zu spät, und am 9. Januar 1905 entwickelte sich jener denkwürdige Zug Petersburger Arbeiter, die von den verschiedensten Seiten herströmend, durch die Straßen der Hauptstadt dahinschritten. An der Spitze ging Gapon, man trug an der Spitze auch Heiligenbilder. Die ganze Masse war unbewaffnet und wollte zum Winterpalais; sie wünschte nichts weiter, als dem Zaren eine Bittschrift zu überreichen. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß die russische Regierung die Möglichkeit gehabt hätte, diese Bewegung im Keime zu ersticken, und wenn sie es nicht gethan hat, dann hat sie augenscheinlich den Wunsch gehegt, die russische Arbeiterbevölkerung, die sie nicht mehr in der Hand hatte, die durch die Agitationen von Subatow in Erregung geraten war und bereits ihren eigenen Weg gehen wollte, durch eine starke Blutabzapfung zu entkräften und in ihre frühere Passivität und politische Gleichgültigkeit zurückzudrängen. An jenem Tage floß auf den Strafen von Petersburg das Blut in Strömen, das Blut unbewaffneter Menschen, von Menschen, die, wenn man sie rechtzeitig darauf aufmerksam gemacht hätte, daß der Zug zum Winterpalais unzulässig sei, zweifellos von der halb religiösen Demonstration Abstand genommen hätten. An diesem Beispiel zeigt sich, daß die Bewegung der russischen Regierung über den Kopf zu wachsen begann. Und nunmehr entwickelte sich Gapon in einer außerordentlich merkwürdigen Weise. Noch am nämlichen Abend hielt man in Petersburg eine Versammlung der Intelligenz ab, und meine Petersburger