Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / Herzfeld
- Date
- 1906-12-01
- Page
- 716 (sequence 7)
- Language
- German
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716 Im deutschen Reich. eine noch viel zu kurze sei, um jetzt bereits mit Abänderungen Vorzugehen und daß, wenn die Bebauptung des Vorredners richtig wäre, sich daraus die Notwendigkeit ergebe, von Rheinland aus die Vereinsidee in dem noch weniger regen Westfalen zu propagieren. Tatsächlich habe aber Westfalen stets Lebhaftes Interesse betätigt, und nur ein kleiner Bezirk sei der aktiven Mitarbeit serngeblieben. Zu Punkt 2 referierte dann Herr Dr. Jos. Lewy-Berlin über das Thema: „Der Central-Verein und die politischen Wahlen." Er führte aus, daß der Central-Verein keine Fraktionspolitik treibe und nur insofern in den Wahlkampf eingrerfe, als erforderlich sei, um die Parlamente von offenen und verkappten Antisemiten frei zu halten. Dementsprechend greife der Verein vornehmlich da ein, wo sich in der Stichwahl ein Antisemit und ein uns genehmer Kandidat gegenüber ständen. Diese Grundsätze wurden tann unter eingebender Beleuchtung der Verhältnisse in den Wahlkreisen Schlochau — Flatow, Ppritz — Saatzig, Eschwege — Schmalkalden, Rinteln — Hofgeismar erörtert. Der Redner schloß mit der Ermahnung, sich stark am politischen Leben zu beteiligen, die befreundete Presse zu unterstützen, die feindliche aber zu bekämpfen. Nach diesen mit großem Beifall aufgenommenen Darlegungen bemängelte Herr Rabbiner Dr. Rosemhal-Cöln, daß nur ein negatives Programm, aber keine positive Richtschnur gegeben sei, während Herr Dr. Desenberg-Cöln für den prinzipiellen Anschluß an die freisinnige Volkspartei eintrat. Im ähnlichen Sinne äußerte sich auch Herr Dr. Cohen-Lüdenscheid, der seine Darlegungen an den Fall Altena-Iserlohn anknüpfte. Der Unterzeichnete erwiderte, daß der Verein als Central- Verein sich nicht mit einer Partei verbünden könne und daß daher die positive Richtschnur nur dahin gehen könne, den Antisemitismus in politischen We.^en zu bekämpfen und sich zu diesem Zwecke mit den jeweilig in Frage kommenden befreundeten Parteien zu verbinden. Diesen Ausführungen folgte ein Appell an die Versammelten, den Verein durch reiche Geldspenden zur tatkräftigen Führung des Wahlkampfes in Stand zu setzen. Dieser Aufforderung schloß sich Herr Sanitätsrat Dr. Apfel an. In seinem Schlußwort begründete Herr Dr. Lewy eingehender die Notwendigkeit, erhebliche neue Geldmittel zu beschaffen, indem er einen Ueberblick über die Einnahmen und Ausgaben des Vereins gab.