Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-12-01
- Page
- 705 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 705 daß sich die „christlich-nationale Arbeiterschaft" an der Stadtratswahl eifrig betätigen wolle und am 11. November eine große Wählerversammlung der „christlich-nationalen" Arbeiter abhalten werde. Diese neue Bezeichnung scheint dem Zweck dienen zu sollen, im Rheinland die zum Zentrum gehörigen ^christlichen Arbeiter-Organisationen" mit den zur Gefolgschaft der christlich-sozialen Partei gehörigen Arbeitern so zu liieren, daß im Wahlkreise Duisburg-Ruhrort-Oberhausen für den Reichstag ein christlich-sozialer Kandidat aufgestellt werden kann, zu dessen Unterstützung sich auch das Zentrum verpflichtet. Wie weit es dem im Rheinland umherreisenden christlich-sozialen Parteisekretär Behrens gelingen wird, noch weitere Kreise in diese Bewegung hineinzuziehen, steht dahin; jedenfalls werden in dem von Stöckerbeherrschten Kreise auf diese mit Rücksicht auf die künftigen Reichstagswahlen systematisch eingeleitete Agitation große Hoffnungen gesetzt. Das ergibt sich deutlich aus einer Stelle in dem Berichte des „Volk" über einen von Stöcker im Zentralausschuß für Innere Mission gehaltenen Vortrag. In jenem Berichte heißt es: „Wie Moses nach langer Wüstenwanderung ins heilige Land hineinschauen durste, so sieht der begeisterte Prophet deutscher sozialer Wohlfahrt in der christlichen Gewerkschaftsbewegung den Hoffnungsstrahl, der Deutschlands Zukunft im herrlichen Glanz erstehen läßt." —Daß der „teuere Gottesmann" Stöcker sich gern mit Luther vergleichen läßt, ist bekannt; wie weit dies gerechtfertigt ist, hat für uns keine Bedeutung. Gegen den kühnen Vergleich mit Mofes möchten wir aber protestieren, zumal Stöckers Wühlerei weit eher geeignet scheint, die Arbeiter in das Rote Meer hinein, als sicher hindurch zu führen. Die Versuche der Christlich-Sozialen, mit Hilfe des Zentrums Reichstagsmandate zu erlangen, sind um so weniger zu unterschätzen, als neuerdings selbst der Teil der katholischen Presse, der bisher den Juden gegenüber eine vorurteilslose Haltung bekundete, sich jetzt über das Verhalten der Juden bei Reichstagswahlen in einer Weise äußert, die zu Bedenken Anlaß giebt. Die „Kölnische Volkszeitrmg" hat bekanntlich vor Kurzem ihren Briefwechsel mit einem „Kölner- Israeliten" veröffentlicht, der das katholische Blatt davon überzeugen wollte, daß die von den Zentrumsorganen beständig als