Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-12-01
- Page
- 703 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau. 703 Hoffnung, daß eine ZielbewußLe Gegenarbeit nicht erfolglos bleiben werde. Bei der Reichstagsersatzwahl in Döbeln brachte es der Kandidat des aus konservativen Agrariern, Antisemiten und Nationalliberalen zusammengesetzten Kartells, Professor Hasse, nur auf 8320 Stimmen, während der freisinnige Lehrer Bock 3509 Stimmen erhielt, der sozialdemokratische Lithograph Pinkau aber mit 12059 Stimmen gewählt wurde. Dabei war von den Sozialdemokraten nicht wie bei der früheren Wahl Grünbergs ein im Kreise bekannter Mann als Kandidat ausgestellt, so daß ein Erfolg des „Reichsverbandes" vielleicht nicht ausgeschlossen gewesen wäre, wenn dieser nicht einen für liberale Wähler unmöglichen „Alldeutschen" dem Sozialdemokraten Pinkau entgegengestellt hätte. Dafür, daß sie den Antisemiten zu Gefallen einen diesen sehr nahestehenden Nationalliberalen als Kompromiß-Kandidaten in Vorschlag brachten, ernten die sächsischen Nationalliberalen den wohlverdienten Dank, indem das antisemitisch-agrarische Organ des „Bundes der Landwirte", die Deutsche Tageszeitung, mit ihnen scharf ins Gericht geht. Das Blatt schreibt: „Woher hat der freisinnige Kandidat seine Stimmen erhalten? Die Konservativen, die Antisemiten und der Bund der Landwirte haben die Kandidatur Hasse mit allem Eifer unterstützt. Im Stiche gelassen wurde er von seinen eigenen Parteigenossen. Von den bei der letzten Wahl abgegebenen 5434 nationalliberalen Stimmen sind etwa die Hälfte dem freisinnigen Kandidaten zugute gekommen. - Das wird man sich für die Zukunft merken müssen. Eine Partei, die nicht so viel Disziplin besitzt, daß sie ihre eigenen Anhänger bei der Stange hält, die nicht verhindern kann, daß diese Anhänger zum großen Teile in das gegnerische Lager übergehen, ist absolut nicht mehr bündnisfähig. Was hilft denn dann die vielgerühmte ^Einigung von vornherein", wenn die Nationalliberalen, zu deren Gunsten die Einigung erfolgt ist, in Hellen Haufen zum Freisinn übergehen?" — Vielleicht ziehen die Nationalliberalen nun daraus die Lehre, daß sie diejenigen ihrer Parteigenossen, die unter der täuschenden „alldeutschen" Flagge nicht „echtnationale" Politik, sondern „verschämten Raffenantisemitismus" treiben, ruhig zu den Antisemiten und Agrariern abschwenken lassen und dadurch sich selbst für wirklich „liberale" Parteien bündnisfähig