Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 11 (November 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-11-01
- Page
- 661 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316740-2316751--15693-2337459- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Umschau. 661 als eine widerliche, aus der Lust gegriffene Erfindung aus einem Roman niedriger Gattung, der unter dem Titel: „Gaeta, Warschau, Düppel" in Berlin, im Jahre 1868 erschienen ist. Der Verfasser dieses Romans ist der aus dem Prozeß Waldeck wohlbekannte Zeuge, Rechnungsrat Hermann G ö d fch e, welcher als Romanschriftsteller den Namen John Retcliff führte. Im ersten Band dieses Romans befindet sich ein Kapitel „Auf dem Judenkirchhof in Prag". Es wird dort der Verlauf eines erdichteten Sanhedrins geschildert, welches alle hundert Jahre einmal an dem Grabe des Rabbi Simeon Ben Jehuda in d.r Nacht stattfinden „soll". Die „Antis. Korr.", der alsbald ihre niederträchtige Fälschung nachgewiesen worden war, erklärte alsdann auch kleinlaut, es sei ein Roman; es handele sich aber schließlich nicht darum, „ob diese Rede auf dem Prager Judenkirchhof oder anderswo gehalten wurde, ob sie überhaupt als Rede mit diesen Worten zum Ausdruck kam (!!): die Ideen und Bestrebungen, die darin offenbart sind, haben bestanden und bestehen noch heute — das lehren Lausend Tatsachen." In ähnlicher Weise sucht die „Staatsbürger-Ztg." es jetzt wieder zu entschuldigen, daß die fingierte Rabbinerrede in Rußland zur Aufregung gegen die Juden benutzt wird, und bestreitet, daß wenn das Flugblatt den gewollten blutigen Erfolg haben sollte, die Verantwortung auf die deutschen Antisemiten fällt, die wie das „Berl. Tageblatt" erklärte, dann „den herostratischen Rühm hätten, den russischen Bluthunden die vergifteten Waffen in die Hand gedrückt zu haben, mit denen sie Schrecken und Elend, unerhörte Greueltaten heraufbeschwören." Diesen Ruhm haben in zynischer Weise die „Deutsch-sozialen Blätter", das Organ des Abg. LieLermann von Sonnenöerg für sich durch die Erklärung in Anspruch genommen: „Ganz besonders gute Aufklärungswaffen hat unsere deutsche antisemitische Bewegung dem Nachbarlande geliefert. So ist die Großrabbinerrede, lSeite 385 bis 392 des „Antifemitentatechismus" in ungezählten Millionen Exemplaren durch die Regierung im ganzen Lande verbreitet worden." Und zum Schluß heißt es in dem deutschen antisemitischen Blatt: „Den Ruhm nehmen wir allerdings mit Befriedigung entgegen, daß mit den Waffen aus unserem Aufklärungsarsenal das russische