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Im deutschen Reich · 1906-11-01 · Heft 11 (November 1906) · p. 645

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 11 (November 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-11-01
Page
645 (sequence 1)
Language
German
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645 Umschau. einer Festtafel für die Provinz Schlesien hat der Kaiser sich in einer Rede voll rhetorischer Kraft wieder gegen die Nörgler gewandt, die durch ihren Mißmut seinen Unwillen erregen. Zunächst erklärte die „Staatsbürger-Zeitung", man dürfe diese Rede zu den schönsten zählen, die der Monarch während seiner Regierungszeit gehalten; aber später urteilte sie ganz anders, nachdem sie wohl belehrt worden, wer mit den Worten gemeint sein möchte: „Schwarzseher dulde ich nicht; und wer sich zur Arbeit nicht eignet, der scheide aus, und wenn er nicht will, suche er sich ein besseres Land". Hatte doch unmittelbar vor diesen Worten der Kaiser erklärt: „Wir wollen geloben, uns von nun an mit Aufbietung aller geistigen und körperlichen Kräfte nur der einen Aufgabe zu widmen, unser Land vorwärts zu bringen, für unser Volk zu arbeiten, ein jeder in seinem Stande, gleichviel, ob hoch oder niedrig, unter Zusammenschluß der Konfessionen, dem Unglauben zu steuern, und uns vor allen Dingen den freien Blick für die Zukunft zu bewahren und niemals an uns und unserem Volke zu verzagen." Dafür sind die Antisemiten bisher nie zu haben gewesen und sie werden dafür nie zu gewinnen sein, nicht nur, weil sie den Zusammenschluß aller Staatsbürger programmmäßigbekämpfen, sondern weil sie nur dadurch ihreParteiziele erreichen können, daß sie Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen erregen und zum Zweck der Rückkehr zu mittelalterlichen Vorurteilen das bekämpfen, was allein „das Land vorwärts bringen kann." Auf diesen entschiedenen Widerspruch, in dem die kaiserliche Aeußerung zu den Zielen und Mitteln der Antisemiten steht, sind diese sehr bald aufmerksam geworden, und sie haben seitdem durch eine wesentliche Verschärfung ihrer Kritik und Verdoppelung der Schwarzseherei der kaiserlichen Drohung gegenüber mit einem Mut getrotzt, der imponieren würde, wenn man sich nicht erinnerte, wie viel die Staatsleitnng seit mehreren Jahrzehnten von den Antisemiten sich gefallen läßt. Nur die wundersame Geduld

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