Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 11 (November 1906)
- Article
- Die Vorgänge in Rußland
- Date
- 1906-11-01
- Page
- 641 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Vorgänge in Rußland. 641 nicht alle Völker im weiten russischen Reich gleich intensiv von der jetzigen Freiheitsbewegung berührt werden. Zieht man nun die Millionen der absolut teilnahmslosen Nomaden von der Gesamtzahl der Bevölkerung ab, so erscheint der Prozentsatz der verurteilten Juden beinahe normal." Dabei ist aber auch zu berücksichtigen, daß im sogenannten Ansiedelungsrapon, in dem die Juden eingepfercht sind und in dem die Verurteilungen vorzugsweise verhängt sein werden, der Prozentsatz der Juden den Gesamt-Prozentsatz weit übersteigt. Auch das ist zu beachten, daß die Verurteilungen vorzugsweise in den Städten erfolgt sind, und daß auch in der städtischen Bevölkerung der Prozentsatz der Juden größer ist als im Gesamt-Reiche. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist der Prozentsatz der europäischen Juden, die durch ihre Beteiligung an russischen Anleihen die mörderische Gegenrevolution, den sogenannten „Weißen Schrecken", indirekt unterstützen, ein ungleich größerer. Diese Tatsache läßt sich weder durch den Glauben an die von Zeit zu Zeit in der russischen Regierungspresse auftauchenden Ankündigungen von Reformen zu Gunsten der Juden, noch durch die Befürchtung beschönigen, daß ein Zurückziehen der jüdischen Kapitalien aus dem russischen Staatskredit den Ruin der Finanzen Rußlands beschleunigen und dort die Volkswut gegen die Juden noch vergrößern würde. Die russische Regierung hat sich selbst unter dem Witteschen Regiment nicht ernstlich bemüht, die Lage der Juden zu verbessern, sondern sich mit leeren Versprechungen bis zur Erlangung der Anleihe begnügt und dann die Duma aufgelöst, die den Juden gerecht werden wollte, während die Regierung die Gegenrevolution begünstigte und noch fördert, um mit dem jüdischen Element auch das gesamte freiheitliche bürgerliche Element zu zertrümmern. Ob ihr dies gelingen wird, kann vor der Hand bezweifelt werden. Die jüdischen Fivanzmänner, die aus das profitable Geschäft mit russischen Papieren ungern verzichten, laden dadurch auch eine große Verantwortlichkeit auf sich; denn sie können ihren Gewinn nur realisieren, wenn sie die in die Höhe getriebenen russischen Papiere dem Privatpublikum Zuschieben, das durch ihr angebliches Vertrauen auf die unerschöpflichen Hilfsquellen Rußlands selbst vertrauensselig gemacht wird. Ob diese Finanz-