Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1906)
- Article
- Antisemitismus in Badeorten
- Date
- 1906-10-01
- Page
- 615 (sequence 3)
- Language
- German
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Vermischtes, 815 klärende und berichtigende Mitteilung: „Nach der Zuschrift des Herrn Amtsvorstehers Fürsten zu Putbus konnte es den Anschein haben, als ob ich allein die Brutalität des Restaurateurs Staub kennen gelernt hätte. Dem ist aber nicht so. Die vom Fürsten erwähnte Anzeige beim Gemeindevorsteher in Binz ist von fünf Herren erstattet und unterschrieben worden, denen es mit ihren Frauen am Abend des gleichen Tages ebenso erging, wie wir am Mittag- Ich harte auch keinen „Streit"; denn ich habe mit Staub keine zehn Worte gewechselt, wie die anwesenden Zeugen, die ich mit Namen und Wohnort bekannt gegeben habe, bestätigen können. Von diesen Zeugen sind kurze Zeit nach mir fünf wegen ihres jüdischen Glaubensbekenntnisses in fast gleicher, brutaler Weise behandelt worden, wie ich. Es handelt sich also nicht etwa um einen vereinzelten Fall, auch nicht um einen „Streit" mit mir, sondern um eine ganze Reihe rasch aufeinander folgender Bedrohungen und Beschimpfungen. Wildbad, 31. August. Kommerzienrat August Zeiß." Die Herzog!. Kurverwaltung in Bad Salzürunn hat im dortigen Kurpark nachstehende Bekanntmachung anschlagen lassen: „Wir machen schon setzt darauf aufmerksam, daß von der nächsten Saison ab in den Kuranstalten und Promenaden das Tragen von „Kaftans" nicht mehr gestattet werden kann, daß also Kurgäste in dieser, von der hier landesüblichen stark abweichenden Tracht der Zutritt zu den Kuranstalten verweigert werden muß." Daß die den starken Abweichungen so abholde Kurverwaltung nicht auch Frack und weiße Halsbinden, kurzgeschorenes blondes Haar und aufwärts gedrehten Schnurrbart vorschreibt, sondern nur Landesübliche Tracht verlangt, ist jedenfalls dankenswert- Mit ihrem Ukas wird sie aber trotzdem keine größere Reinlichkeit des Badeortes erzielen, sondern nur durch eine ansehnliche Verminderung der Frequenz des Badeortes die Arbeitslast der Kurverwaltung und die Einnahmen mancher Ortsbewohner verringern. Daß der antisemitische Widerwille gegen die Kaftanträger ansteckender wirkt, als es jemals ein Kaftan vermochte, ist dadurch erwiesen worden, daß nach einer Anzeige in dem Centralblatt für Bad Nauheim im dortigen „Schützenhof" ein „Antikaftanverein" ins Leben gerufen wurde, der dem Andrang der nach Bad Nauheim kommenden russischen Juden