Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1906)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1906-10-01
- Page
- 603 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- address
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316740-2316750--15600-2337344- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
VereinsnachrichLen. 603 schreiben: „Wir gestehen offen, daUwir die Bemerkung, Hiller wolle einen Judenparagraphen durchsetzen, nicht als einen Witz aufgefaßt haben/' Die Herren kennen sich und empfanden es offenbar peinlich, daß ihre geheimsten Regungen bloßgestellt wurden und noch dazu gerade Zu einer Zeit, da sie sich anschickten, zur Jubelfeier Komödie zu spielen." — Dazu bemerken wir: Was auch an latentem Antisemitismus in andern Verbänden stecken mag, kein anderer hat die systematische Verhetzung derHandlungsgehilfensozuseinerAusgabe gemacht wie der „deutschnationale Verband." Kein anderer Verband hat sich ln corpore in den Dienst der antisemitischen Parteien bri Wahlen und politischen Agitationen gestellt. Deshalb haben wir in erster Linie uns dem deutsch-nationalen Verbände gegenüber als im Kriegszustände befindlich zu betrachten. Mag er auch von einzelnen Mitgliedern darüber oft genug belehrt worden sein, daß die Verhöhnung und Verlästerung der jüdischen Mitglieder des deutschen Kaufmannsstandes unwürdig, ungerecht und unklug ist, mag er auch in seiner Zeitschrift seitdem etwas vorsichtiger geworden sein, solange der antisemitische Abgeordnete Schack dort das Kommando führt, wissen wir, wes Geistes Kind dieser Verband ist. Darüber kann uns auch sein Versuch nicht täuschen, andere Vereine als mit gleichen Vorurteilen und Fehlern verseucht hinzustellen. Am 28. August ist in Schönebeck a. d. Elbe der Vorsitzende der Synagogeu-Gemeinde, Kaufmann Moritz Marcuse verschieden, der mehr als dreißig Jahre hindurch die Interessen seiner Gemeinde ebenso eifrig wie selbstlos gefördert und als Vertrauensmann des Central-Vereins zehn Jahre hindurch an unfern Bestrebungen in dankenswerter Weise regen Anteil genommen hat. — Zwei Tage später verstarb ein anderes treues Vereinsmitglied, Stadtrat Louis Fernbach in Bunzlau, dem nachgerühmt wird, lange Jahre hindurch als Mitglied der dortigen Stadtverwaltung sich um diese große Verdienste erworben zu haben. Ferner haben wir den Verlust eines Mitgliedes zu beklagen, das durch bedeutende Erfolge auf dem Gebiete der ärztlichen Wissenschaft, insbesondere auf dem der Augenheilkunde und Schulhygiene, einen weithin verbreiteten Ruf erworben hatte. Im