Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1906)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1906-10-01
- Page
- 602 (sequence 1)
- Language
- German
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602 Zm deutsche« Reich. UFreirrsWachrichLeN» Äas Organ des „Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes", die „Deutsche Handelswacht", hat in der Nr. 16 vom 16. August seine von dem Leipziger Verband der Handlungsgehilfen entschieden bestrittene Behauptung wiederholt, daß dieser Verband seine Einrichtungen nachahme und auch in der Judenfrage seinen Spuren folge. Dies begründet die „Deutsche Handelswacht" wie folgt: „Bei der Judenfrage rührten wir an die Achillesferse des Leipziger Verbandes. Zwar behauptet man jetzt, daß unsere Notiz nur „einige ganz wenige ängstliche Gemüter" aufgeregt habe, aber die Tatsache läßt sich doch nicht aus der Welt schaffen, daß der Leipziger Verband in feiner Leitung Juden nicht duldet, und daß Herr Reif in einer öffentlichen Versammlung, die vor einiger Zeit in Posen stattfand, diejenigen Vereinigungen des Leipziger Verbandes, die keine Juden aufnehmen, verteidigte, indem er erklärte, diese Vereinigungen seien nicht antisemitisch, die Leute wollten nur unter sich sein! Diese merkwürdige Erklärung haben wir schon vor IV2 Jahren in der Handels-Wacht festgenagelt. Der Leipziger Verband hat sich wohl gehütet, darauf zu antworten, denn unsere Mitteilungen beruhen auf Notizen, die an Ort und Stelle bei jener Versammlung in Posen ausgenommen wurden. Der Leipziger Verband hängt eben auch in der Judensrage den Mantel nach dem Wind. Als stiftende, außerordentliche und ordentliche Mitglieder sind ihm die jüdischen Kaufleute willkommen, aber in der Verbandsleitung huldigt man dem versteckten Antisemitismus; da duldet man Juden nicht. Solche Grundsatzlosigkeit gehört freilich zum Wesen des Leipziger Verbandes. Wer diese Philister näher kennt, und wir kennen sie, wird nicht erwarten, daß sie jemals ehrlich Farbe bekennen. Deshalb war auch unsere Bemerkung, der Leipziger Verband werde den Judenparagraphen einführen, selbstverständlich ironisch gemeint. Aber die Leipziger Verbandsleitung hat ein so schlechtes Gewissen, daß sie es schon gar nicht mehr merkt, wenn sich andere Leute über sie lustig machen. So raffen sich die Leipziger Verbandsblätter jetzt zu einem „offenen" Geständnis auf, indem sie