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Im deutschen Reich · 1906-10-01 · Heft 10 (Oktober 1906) · p. 601

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 10 (Oktober 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-10-01
Page
601 (sequence 16)
Language
German
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Umschau» 601 Stelle war. Es sei deshalb sehr wahrscheinlich, daß §das Attentat nicht von den Revolutionären, sondern von den Ultrareaktionären inszeniert worden sei. Der Zar hat den Minister Stolypin, offenbar um ihn vor den erbitterten Gegnern der von ihm geplanten Reformen zu schützen, in seine Nähe berufen, und das in den ersten Septembertagen veröffentlichte ausführliche Reformprogramm Stolppins, in dem auch eine wesentliche Besserung der Lage der Juden vorgeschlagen wird, beweist (vorausgesetzt, daß es ehrlich gemeint ist), daß dieser Staatsmann selbst den Juden keine Schuld an dem gegen ihn gerichteten 'Mordanschlag beiwißt und es auf den Zorn der ^Pogrom- Anstifter^ ruhig ankommen lassen will. Diese Herren, die früher unter dem Namen „das Schwarze Hundert" bekannt waren, sich jetzt aber „der Bund wahrhaft russischer Leute" nennen, sind keine Demokraten, sondern Anarchisten der schlimmsten Art. Wie der „Ruff. Korr." aus Petersburg berichtet wurde, werden der Regierung von dem „Schwarzen Hundert" Forderungen gestellt, und mit neuen Abschlachtungen gedroht, falls die Forderungen nicht erfüllt werden sollten. Das Hauptorgan der Partei „Russkoje Snamje" wimmelt von Drohungen. Einer der Verfasser, Graf Konownizen, ruft aus: „Falls ich getötet werde, so vernichtet Hunderte und Tausende von Revolutionären!" Der bekannte „Bulazel" schreibt, sich direkt gegen Peterhof wendend: „Wir bitten um Audienz, wir fordern sie! Wird man, ohne uns zu fragen, das Ultimatum jüdischer Bankiers annehmen, so werden bald nicht Villen, sondern Schlösser einstürzen." Das läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig und versetzt die russische Staatsleitung in die Notwendigkeit, Zwischen einem zielbewußt durchgeführten „verfassungsmäßigen monarchischen Regiment" und einer in anscheinend autokratischen Form fortgesetzten Prätorianer-Wirtschaft zu wählen. Daß sich Beides nicht vereinigen läßt, wie der Minister Stolchpin in seinem Programm Zu versuchen schien, davon wird das von dem Litauer Regiment unter Anführung bekannter Offiziere in Siedlce angerichtete Blutbad ihn wohl überzeugen. Die russische Regierung steht nach dem alttestamentlichen Bilde zwischen den Bergen Ebal und Gerisim, zwischen Fluch und Segen — wird sie den Segen und damit neues Leben wählen? L. -2H

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