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Im deutschen Reich · 1906-10-01 · Heft 10 (Oktober 1906) · p. 589

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 10 (Oktober 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-10-01
Page
589 (sequence 4)
Language
German
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Umschau, 589 sondern anä) auf die Charaktereigenschaften der dabei Beteiligten. Diese Offenbarungen gehen von einem Manne aus, „der im Jahre 1898 als antisemitischer Abgeordneter einem jüdischen Unternehmer für Geld den Inhalt zu seiner Korrespondenz lieferte", dies in dem Prozeß Erdmannsdörfer vor Gericht in Abrede stellte und deshalb in der Begründung des freisprechenden Urteils in Kassel gerichtsnotorisch zum Lügner gestempelt wurde. Aber dies ändert an der Sache jetzt wenig; denn trotz dieser allen antisemitischen Führern bekannten Blamage haben sie kein Bedenken getragen, iw Jahre 1903 die Wiederwahl Werners Zum Reichstags- und Landtagsabgeordneten zu betreiben und sich erst jetzt nach Verlauf von mehreren Jahren auf die Sünden des Parteigenossen besonnen, dessen Dienste ihnen jahrelang willkommen gewesen sind. Nur so lange als er ihnen nicht bei der Mandatsjagd ins Gehege kam, wurden jene Sünden mit dem Mantel der Liebe bedeckt. Ziemlich deutlich ist dies in einer kurzen Erklärung zum Ausdruck gelangt, die der deutsch-soziale Abg. Fr. Raab aus Anlaß eines Artikels über die Stichwahl in Hofgeismar deshalb vom Stapel ließ, weil Werner darin auf seine Mitarbeiterschaft angespielt hatte. Fr. Raab erklärte nämlich: „Zunächst stelle ich fest, daß ich niemals gegen Entgelt Berichte aus dem Reichstage für irgend jemand geschrieben habe. Nur in vereinzelten Fällen habe ich früher, wenn der Abg. Werner nicht in die Kommissionssitzungen gekommen war, obgleich er sich dem Inhaber eines Korrespondenzbureaus zur Lieferung von Berichten verpflichtet hatte, mit einigen Notizen ausgeholfen, teils um den Zeitungsmann aus der Verlegenheit zu ziehen, teils um Herrn Werner seine Einnahmequelle zu erhalten. Ich selbst aber habe niemals einen Pfennig genommen. Herrn Werner ist aber auch meines Wissens von uns niemals daraus ein Borwurf gemacht worden, daß er Berichte gegen Entgelt schrieb, sondern nur daraus, daß er diese Berichte früher für einen Juden, namens Hamburger, schrieb, denselben, der später wegen eines schmutzigen Aktendiebstahls steckbrieflich verfolgt wurde, aber leider entkam. Bei unserer grundsätzlichen Stellung zur Judenpresse konnten wir es nicht gutheißen, daß ein antisemitischer Ab ge o rd net er einem jüdischen Unternehmer den Inhalt zu seiner

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