Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 9 (September 1906)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1906-09-01
- Page
- 542 (sequence 6)
- Language
- German
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542 Im deutschen Reich. der geladene Zeuge dem Verlangen genügt hatte, dem Gerichte „die Ueberzeugung zn verschaffen, daß die jüdische Religion ihm nach der gekennzeichneten Richtung Gewissenspflichten auferlege." -2K Korrespondenzen. ± Berlin^ 28. August. Bei der Stichwahl im Kreise Rinteln- Hofgeismar hat der deutsch-soziale Kandidat Herzog 2748 Stimmen mehr als bei der Hauptwahl erhalten; dies dürfte der Unterstützung der Nationalliberalen und der Reformer zuzuschreiben fein, während sich annehmen läßt, daß die 500 Stimmen, die der Sozialdemokrat, mehr als im ersten Wahlgang, erhalten hat, von Freisinnigen herrühren, die, einen Erfolg der Kandidatur des Bürgermeisters Herzog von Obernkirchen möglichst zu verhindern, als ihre Pflicht erachteten und durch die Art, wie diese Wahl durchgedrückt wurde, zu einem Wahlprotest veranlaßt werden dürften. Daß der Erfolg Herzogs kein Beweis für die Lebensfähigkeit der „deutsch-sozialen Fraktion" ist, hat das offizielle Organ des „Bundes der Landwirte" so deutlich kundgegeben, daß die völlige Abhängigkeit der Gefolgschaft Liebermanns von den Agrariern künftig noch viel deutlicher als bisher in die Erscheinung treten dürfte. Die Reformer sahen sich gezwungen, in der Stichwahl für den „Deutsch-Sozialen" zu stimmen, um nicht dem antisemitischen Programm völlig untreu zu werden. Leicht ist es ihnen sicherlich nicht gefallen, nachdem in dem vorherigen Wahlkampf die Gehässigkeit, mit der sich die beiden antisemitischen Parteien befehden, so weit geführt hatte, daß der Reformkandidat Dietrich Helmrich den deutsch-sozialen Wahlagitator Adolf Wulfes im Eisenbahnabteil mit Ohrfeigen regalierte. In der richtigen Erkenntnis aber, daß man die Person von der Sache trennen müsse, hat er nachher doch bei der Stichwahl seine Freunde öffentlich ersucht, für den Kandidaten seines geohrfeigten Gegners zu stimmen. Daß die Nationalliberalen sich in der Zwangslage befanden, für einen Antisemiten Liebermannscher Gattung zu stimmen, hatten sie sich selbst zuzufchreiben.