Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 9 (September 1906)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1906-09-01
- Page
- 532 (sequence 7)
- Language
- German
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532 Iw deutschen Reich. heraufbeschworen haben, deren erstes Opfer ein nichts weniger als i evolutionär gesinnter „christlicher Judensprößling" war, die aber voraussichtlich auch noch denen gefährlich werden wird, die ihre morsche Sache durch Entfesselung von Bestien erhalten zu können vermeinen. Von der Mitschuld an diesem verhängnisvollen Treiben werden aber auch die Parteien in Deutschland sich nie reinigen können, deren Organe beständig die russischen Juden beschuldigen, durch revolutionäre Bestrebungen die „Pogroms" selbst hervorzurufen, und es ihnen als Unrecht anrechnen, sich nicht wehrlos ausplündern und hinschlachten zu lassen. Ueber die Notwehr der russischen Juden hat sich der polnische Abgeordnete Graf Tyschkewitsch in der russischen Zeitschrift „Retsch" weit unbefangener wie folgt geäußert: „Man erhebt in der Bialystoker Affäre den Vorwurf, daß die jüdischen politischen Organisationen sich verteidigt und zusammengeschlossen hätten; aber Lun das nicht auch die christlichen Organisationen in den Ostseeprovinzen oder anderen Teilen des Reiches? Beim Juden erscheint dieses Zusammenschließen seiner rechtlosen Lage wegen schon eine ungeheure Dreistigkeit, fast ein Verbrechen. Darin liegt aber auch der Schwerpunkt der Frage. Weil einzelne das selbständige Auftreten der Juden im politischen Kampfe für ein Verbrechen halten, wird zu solchen Mitteln, wie Judenhetzen, gegriffen. Hierbei gibt es nur einen Ausweg und eine Abhilfe: das ist die volle Gleichberechtigung der Juden. Die rechtlose Stellung der Juden ist die Quelle aller Erniedrigung und Schande; sie muß daher aufgehoben werden. Nur die volle staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden kann der unleidlichen Lage der Dinge ein Ende machen. Diese Gleichberechtigung fordert ebenso das Volksgewissen wie der öffentliche Nutzen, denn mit der Gleichberechtigung schwindet jenes Ungetüm aus Rußland, welches man die Judenfrage nennt." Mehr oder minder haben die deutschen antisemitischen, konservativen und agrarischen Blätter bei ihren Berichten über die russischen Vorgänge die judenseindliche „Nowoje Wremja" als Weisheitsguelle benutzt und sich aus den Standpunkt des Generals Kaulbars gestellt, der zu der Abordnung der jüdischen Gemeinde in Odessa sagte, Juden stünden an der Spitze des Aufruhrs, und wenn die Gutgesinnten unter ihnen nicht auf die