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Im deutschen Reich · 1906-09-01 · Heft 9 (September 1906) · p. 530

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 9 (September 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-09-01
Page
530 (sequence 5)
Language
German
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530 Im deutschen Reich. Welche Ideen der Verband der russischen Leute verbreitet, hat die Ermordung eines der angesehensten Duma-Mitglieder, des Professors Michael Jakowlewitsch Herzerrsteiu, bewiesen, der bei aller Freisinnigkeit in der sogenannten „Kadettenpartei" stets ein maßvolles Vorgehen vertrat, den Rückschrittlern aber besonders deshalb verhaßt war, weil er, obgleich als Christ geboren, stets gegen die Verfolgung seiner jüdischen Stammesgenossen in charaktervoller und wirksamer Weise eintrat. In Terjoki in Finnland, wo er mit Frau und Tochter verweilte, wurde er meuchlings erschossen; seine Tochter, auf deren Knieen er sein Leben aushauchte, wurde durch einen Zweiten Schuß verwundet. Das russische Jargonblatt „Das Leben" brachte eine so genaue Beschreibung des entsprungenen Mörders und seiner Spießgesellen, die mit ihm bald nach der Tat bei ihrer Abfahrt nach Petersburg gesehen worden sind, daß man sich kaum des Gedankens entschlagen kann, daß ihr Entkommen begünstigt wurde. Als Beweis dafür, daß die Ermordung Herzensteins von einem Konsortium geplant war, führt das genannte Blatt in einem dem entschlafenen „christlichen Philosemiten" gewidmeten Nachruf folgendes an: „Am 18. Juli, abends 6 Uhr, hat bei uns Herr Jolos von Moskau telephonisch angefragt, ob wir etwas von HerZenstein wüßten. In Moskau, so hat er uns weiter mitgeteilt, werde darüber geklagt, daß Herzenstein in Terjoki ermordet worden sei. Dies sei auch in einer Abendzeitung gedruckt. Wir haben darauf nach Terjoki telegraphiert, aber keine Antwort bekommen. Um 11 Uhr haben wir aber erfahren, daß Petrokewitsch ein Telegramm aus Terkoji erhalten habe, wonach HerZenstein um 9 Uhr ermordet und seine Tochter verwundet worden sei. In Moskau hat man also von der Tat etliche Stunden früher gewußt, ehe sie vollführt wurde. Diese Tatsache beweist mehr als hundert Zeugen. Man hat in Herzenste'n nicht nur den Deputierten, sondern auch den Juden ermorden wollen, denn als Juden haben ihn seine Freunde in die Duma geschickt, und als Juden haben ihn seine Feinde gerichtet." Wer ihn gerichtet hat, ist denen, die die beständigen Aufreizungen der „Nowoje Wremja" und aller dem „Verband der russischen Leute" nahestehenden Blätter gegen die verfassungsfreundlichen Deputierten Herzenstein und Winawer gelesen haben, nicht iw geringsten zweifelhaft. Die Moskauer Zeitung „Majak" (Leuchtturm), die mehrere Stunden vor der

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