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Im deutschen Reich · 1906-09-01 · Heft 9 (September 1906) · p. 529

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 9 (September 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-09-01
Page
529 (sequence 4)
Language
German
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Umschau. 529 Leitung der Domänen, Steuererleichterungen und durch allerhand die Aufhebung der Leibeigenschaft ergänzende soziale Maßnahmen friedlich erfolgen konnte, sind die russischen Machthaber leider aus dem Wege gegangen, weil sie keine Reformen lieben, sie auch kaum ertragen können. Auf die Gefahr hin, das ganze Zarentum dem Untergang zu weihen, haben die russischen Feudalen, die genau so wie ihre ausländischen Gesinnungsgenossen nur so weit die Monarchie stützen, als sie selbst dabei keine Opfer zu bringen brauchen, statt der „Agrarfrage"' die „Judenfrage" auf die Tagesordnung gesetzt und den darbenden Pöbel und die bei kargem Solde auf Beute lüsternen Kosaken zur Judenplünderung angeleitet. Als das russische Parlament darauf mit einem geharnischten Proteste reagierte, bedrängte man den Zaren, eine Duma aufzulösen, die es gewagt hatte, selbständig an der Sicherung und am Weiterbau von Gesetz und Verfassung zu arbeiten. Das rechnete man der Volksvertretung als Verbrechen an, und der mißleitete Beherrscher aller Reußen legte dies urkundlich in dem Auflösungsdekret mit den Worten nieder: „Die Vertreter der Nation, anstatt gesetzgeberisch tätig zu sein, sind in Sphären außerhalb ihrer Kompetenz abgeirrt, haben sich mit der Untersuchung der Handlungen der von uns eingesetzten Lokalbehörden und der Unvollkommenheit der Grundgesetze beschäftigt, die nur durch unfern kaiserlichen Willen abgeändert werden können." Nun hatten die Nährväter der Judenmorde die kaiserliche Entschuldigung ihres keiner parlamentarischen Kritik unterworfenen Treibens schriftlich und konnten sich ins Fäustchen lachen. Wie notwendig eine parlamentarische Untersuchung der Handlungen der russischen Zentral- und Lokalbehörden gewesen war, hat u. a. das nachfolgende Schreiben des Gouverneurs von Minsk bewiesen: „Infolge des Ersuchens der Pinskauer Abteilung des „Verbandes der russischen Leute" vom 25. Mai 1906 Nr. 176, schreibeich den Bezirkspolizei-Aufsehern, den Stanowoj Pristavs, den Wolostjverwaltungen und den Kleinbürgerbehörden vor, der Verbreitung der Ideen des Verbandes durch die Mitglieder und Vorsitzenden des Verbandes unter der ländlichen Bevölkerung keine Schwierigkeiten zu bereiten."

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