Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- Der letzte Akt des Dreyfus-Dramas
- Date
- 1906-07-01
- Page
- 449 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316740-2316748-2336998--15379-2337090- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der letzte Akt des Dreyfus-Dramas. 449 Ztg." sagte 1898: „Wie kommt es, daß Zola, wo es sich um die Ehrenrettung eines Juden handelt, die nur durch eine furchtbare Korruption der Spitzen der Armee zu erklären wäre, keine Gründe der Zweckmäßigkeit kennt, und daß wir an seiner Seite Clömenceau, den Busenfreund Reinachs, als Verteidiger sehen? Wer mag denn da noch an den Idealismus Zolas glauben? Sich stets auf die Seite des Judentums zu stellen, das ist denn doch wahrhaftig noch kein Idealismus." In derselben Zeit äußerte sich die „Deutsche Zeitung": „In der Geschichte der jüdischen Raffenpsychologie wird die Behandlung des Falles Dreysus dauernd eine bemerkenswerte Epoche bilden. Die französische Judenheit hat es verstanden, in dem am meisten unter den europäischen Großstaaten von der liberalen Idee beherrschten französischen öffentlichen Leben einen Antisemitismus wachzurufen, der sich auch sofort mit der vollen Sensibilität des gallischen Temperaments geäußert hat." Die „Kreuz-Ztg." gab zwar zu, daß Dreysus unschuldig sein könne, bezeichnete aber seine Verteidigung als eine bloße „Propaganda für die Semiten" und fügte damals hinzu: „Vorläufig liegt die Sache doch noch so, daß der größte Teil des französischen Volkes, daß die Mehrzahl der besonnenen Pariser Zeitungen auf Seiten der Regierung stehen. Wenn Antisemitismns und Chauvinismus aus der Sache Vorteil zu Ziehen suchen, wer kann ihnen dies verdenken? Auch der Israelit nimmt jeden Vorteil wahr, wo er ihm sich bietet." Gleichzeitig Zeterte unter der Spitzmarke: „Das Judentum an der Arbeit" und mit der Einleitung: „Wenn man einen Juden auf die Hühneraugen tritt, schreit ganz Israel", ein anderes Antifemitenblatt gegen die Revisionsbewegung in Frankreich, und das „Bayerische Vaterland" findet es noch heute ganz in der Ordnung, daß der Landesverrat Dreysus nicht diesem allein, sondern dem Judentum als solchem Zur Last gelegt werde. Da das edle Blatt am 21. Juni d. I. kurz und bündig erklärte: „Die 30 Millionen des Syndikats haben ihren Zweck erfüllt", scheint sein würdiger Vertreter in Paris bei der Auszahlung der Summe gegenwärtig gewesen zu sein. Man kann sich als Jude wirklich des Urteils über solche Hetzereien enthalten, die nur zu geeignet sind, die Massen zu verrohen und selbst in sogenannten gebildeten Kreisen das Rechtsgefühl abzustumpsen. Bei der Beurteilung der Dreysus - Affäre ist diese Gefahr frübzeitlu