Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- Das Blutbad in Bialystock
- Date
- 1906-07-01
- Page
- 426 (sequence 1)
- Language
- German
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426 Iw deutschen Reich. Aas Wutöad in Mialystock. /Min Schrei der Entrüstung gellte im Juni d. Js. durch die gesamte Kulturwelt bei der Schreckenskunde, daß den Judenhetzen in Kischinew, Hömel, Odessa und anderen russischen Orten eine weit furchtbarere Menschenschlächterei in der kaum fünf Stunden von Warschau entfernten Stadt Vialpstock gefolgt sei. In dieser Zweitgrößten Stadt Littauens, in der die jüdischen Einwohner 70 Prozent der Bevölkerung bilden, und von feindseligen Beziehungen zwischen Juden und Christen nie die Rede sein konnte, fehlte jeder Anlaß zu einem Ausbruch mittelalterlichen Judenhasses. Um die Behauptung der verfassungsfeindlichen Bureaukratie Zu bekräftigen, daß die Einführung der Gleichberechtigung der Juden einen solchen Ausbruch herbeisühren werde, ließ man dort nach einem regelrechten polizeilich-militärischen Plan durch organisierte auswärtige Horden eine Judenschlächterei künstlich herbeiführen. Rach den Untersuchungen, die einige Abgeordnete der „Duma" bald nach der blutigen Metzelei in den Junitagen an Ort und Stelle unternommen haben, unterliegt es keinem Zweifel, daß diese Schreckenstaten nicht etwa einer tiefen Erregung fanatisierter Pöbelmassen zuzuschreiben, sondern auf einen teuflisch ausgedachten, sorgsam vorbereiteten und ausgeführten Plan jener russischen dunklen Nebenregierung Zurückzuführen ist, die um jeden Preis die Durchführung des im Werk befindlichen verfassungsmäßigen Regiments verhindern will, um ihre bureaukratische Willkürherrschaft und schonungslose Volksaussaugung ungehemmt fortsetzen zu können. Gelang es, in einer Stadt, wie Bialpstock, mit einer überwiegend jüdischen Bevölkerung und einer durchaus freiheitlich gesinnten Arbeiterschaft mittels eingeschmuggelter Mitglieder der „Schwarzen Bande^eine mächtige Judenhetze ins Werk, zu setzen, dann mußte nicht nur durch den Eindruck der Schreckensszenen in dieser Stadt, sondern auch in andern russischen Arbeiterzentren die Macht der freiheitlichen Bewegung gebrochen werden. In der alten Weise, nur durch das Anfachen religiöser und nationaler Empfindungen die Massen zu Judenmetzeleien zu treiben, war in Bialpstock nicht möglich. Dort und auch anderwärts in Rußland hat sich mit der Zeit