Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1906)
- Article
- Die jüdischen Freiwilligen im preußischen Heere während der Befreiungskriege 1813/1814
- Date
- 1906-07-01
- Page
- 415 (sequence 9)
- Language
- German
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Die jüdischen Freiwilligen im preußischen Heere. 415 der gewaltige Andrang haben eben damals eine ordnungsgemäße Listenführung unmöglich gemacht. Wir glauben noch unter der Wahrheit Zu bleiben, wenn wir durchschnittlich die Anzahl der Freiwilligen auf das Doppelte derer schützen, die in den Listen enthalten ist. Dieses Verhältnis bleibt aber bei den jüdischen Freiwilligen noch viel unter der Wahrheit. Hier stellt sich nämlich heraus, daß nur in der Minder- Zahl der Listen das Glaubensbekenntnis der einzelnen Freiwilligen angegeben ist. Man machte eben damals keinen Unterschied nach der Religion, sondern nahm jeden Sohn des Vaterlandes, der ksich freudig darbot, auch freudig in die Zahl der Vaterlandsnmpfer auf. Und in den wenigen Listen, in welchen die Religionszugehörigkeit vermerkt ist, sind viele ganz offenbar jüdische Namen mit dem Vermerk „ei)." (evangelisch) versehen, sei es, daß — wie Karl Hepmann schon hervorhob — zahlreiche Juden aus damals leicht begreiflichen Gründen sich nicht als solche bezeichnen mochten, sei es, daß die Schreiber, wenn die Frage: „Sind Sie katholisch?" verneint wurde, flugs „ev." beifügten. Infolge dieses Umstandes konnten zumeist die Juden nur aus dem Namen, sowie mit Berücksichtigung ihrer Zivilbeschäftigung und der ihres Vaters eruiert werden, die glücklicherweise zumeist angegeben sind. Wir haben selbstverständlich hierbei die größte Vorsicht walten und bei jedem Zweifel den betreffenden Namen lieber fortgelassen. Nur ausnahmsweise steht in den Listen ohne Religionsrubik der Zusatz „jüdisch" oder „Judensohn" oder „Vater Judenkaufmann". So bleibt auch aus diesem Grunde unsere Liste weit unter der Wahrheit. Die Listen einzelner Gemeinden, wie solche in den Schriften von Ackermann über Brandenburg und von Spanier über Magdeburg, sowie in den „Juden als Soldaten" enthalten sind, beweisen in ihrem Vergleich mit den Listen des Kriegswinisteriums, daß in diesen nur die Minderheit der jüdischen Freiwilligen ausgezeichnet ist. So finden sich aus Brandenburg in den Listen nur zwei, bei Ackermann 9 jüdische Freiwillige (darunter die beiden in den Listen genannten) und bei den „Juden als Soldaten" noch einer. Es sind uns also aus Brandenburg zehn jüdische Freiwillige bekannt, und das bei einer Zahl von nur fünfzehn