Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1906-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1906) · p. 410

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1906)
Article
Die jüdischen Freiwilligen im preußischen Heere während der Befreiungskriege 1813/1814
Date
1906-07-01
Page
410 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316740-2316748-2336996--15338-2337051
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

410 Im deutschen Reich. ständigsten Listen erhalten. Das 5. und 6. Armeekorps sind erst 1815 aufgestellt worden; die Zahlen des Militär-Wochenblatts können sich also gar nicht auf 1813/14 beziehen! Eine solche Leichtfertigkeit ist bei amtlichen Abschätzungen unerhört. Ein früherer jüdischer Kriegsfreiwilliger, C. Heymann, protestierte schon am 19. November 1843 in der „Vossischen Zeitung" gegen jene Ziffer. Biele jüdische Freiwillige hätten sich überhaupt nicht als Juden zu erkennen gegeben. Der Einsender habe in dem Detachement freiwilliger Jäger des 3. Ostpreußischen Landwehrregiments gedient, und dort wären allein gegen dreißig Juden gewesen. — Die erstere Angabe ist, wie wir sehen werden, richtig: viele Juden zogen es aus leicht begreiflichen Gründen vor, sich als „evangelisch" zu bezeichnen. Daß im 3. Ostpreußischen Landwehr-Jnfanterie-Regiment und zwar offenbar bei den freiwilligen Jägern, 30 Juden dienten, von denen Heymann aus dem Gedächtnis zwanzig namhaft macht, ist der beste Beweis von der kläglichen Unvollkommenheit der damaligen Listen. Das 3. Ostpreußische Landwehr-Jnfanterie- Regiment figuriert überhaupt in denselben nicht!! Es gehörte oft viel Opfermut dazu, als Jude, den man doch nie unter Waffen gesehen hatte, unter den vorurteilsvollen und bisweilen recht rohen Kriegsgefährten seine Pflicht zu tun und auszuharren. So erzählt Franz Neumann*): „Unter der Kompagnie freiwilliger Jäger, der ich 1815 angehörte, waren zwei Juden. Der eine, vielfach geneckt, warf sich bei dem ersten Kampfe mit dem größten Heldenmute aus den Feind und forderte seine Quälgeister, auf, ihm dorthin zu folgen. Bon mehreren Kugeln getroffen, lag er bald auf offener Straße. Er wurde gerettet, mußte aber dann sein ganzes Leben lang auf zwei Krücken gehen. Der andere, von feinem und einnehmenden Wesen, fiel bei Ligny." Die jüdische Gemeinschaft zeigte den größten Eifer für die Sache des Vaterlandes. „Auch hat die Geschichte unseres letzten Krieges wider Frankreich bereits erwiesen, daß die Juden des Staats, der sie in seinen Schoß ausgenommen, durch treue Anhänglichkeit würdig geworden. Die jungen Männer jüdischen Glaubens sind die Waffengefährten ihrer christlichen Mitbürger *) Franz Neumann, Erinnerungsblätter. Von seiner Tochter Luise Neumann (Tübingen und Leipzig, 1904, S. 42).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.