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Im deutschen Reich · 1906-06-01 · Heft 6 (Juni 1906) · p. 402

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 6 (Juni 1906)
Article
Geschichte der Juden in Brandenburg a. H. [Rezension]
Date
1906-06-01
Page
402 (sequence 2)
Language
German
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402 Im deutschen Reich. Sachwalter war kein geringerer als Melanchthon. Die Ursachen und Wirkungen der Tragödie von 1510, ihr politisches Moment und die Rolle des Kurfürsten Joachim I. dabei hat Ackermann neu, scharfsinnig und einleuchtend dargestellt. Nachdem die Juden 1573 „auf ewige Zeit" aus Brandenburg vertrieben worden waren, nahm erst wieder 1671 der Große Kurfürst fünfzig jüdische Familien aus Wien in Brandenburg aus, von denen auch einige sich in dem Havelstädtchen ansiedelten. . Einer dieser Schutzjuden, David Samuel, ist als der Stifter der Gemeinde anzusehen. Er unterhielt in seinem Hause eine Synagoge, legte den Friedhof an und ist auch wohl der Gründer des Vereins Bikkur Cholim. Hundert Jahre dauerte es, bis es den Juden erlaubt wurde, ein Synagogengrundstück zu erwerben, — war doch noch unter Friedrich dem Großen den Juden der Besitz eigener Häuser bei Strafe verboten. Die Geschichte der Gemeinde im 19. Jahrhundert zeigt uns das Bild einer trefflich geleiteten, blühenden Gemeinschaft, die nie abseits vom Wege stand, sondern stets zu allen religiösen und politischen Fragen der deutschen Judenheit Stellung nahm. Im Anhänge bietet das Buch urkundliche Beilagen, die teilweise von hohem, kulturgeschichtlichen Werte sind. Di*. Eugen Wölbe. Liberales Judentum. Von Claude G. Montefiore. Uebersetzt von Oskar Plaut. Verlag von C. E. M. Pfeffer in Leipzig. 1906. Der Verfasser betont in der Vorrede, daß die in diesem Buche dargelegten Anschauungen, die er bereits vor drei Jahren in einem in der „llewlsb Quarterly Review“ veröffentlichten Aufsatz zum Ausdruck brachte, aus eigenem Antrieb Zusammengestellt seien und keineswegs als die einer bestehenden Partei oder religiösen Gemeinschaft gelten sollen. Da aber Claude Montefiore Mitglied einer jüdischen Deputation war, die vor. wenigen Wochen bei dem Unterrichtsminister Birell wegen des Volksschulgesetzes vorsprach, kann man annehmen, daß diese Schrift doch nicht ausschließlich der Ausdruck subjektiven Empfindens ist. Das Buch macht keinen Anspruch darauf, philosophisch zu seines soll nach der Absicht des Verfassers nur zu den Herzen von Durchschnittsmenschen sprechen. Das tut es durch die unverkennbare Absicht, das, was der Verfasser vom Judentums in sich

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