Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1906-06-01 · Heft 6 (Juni 1906) · p. 401

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 6 (Juni 1906)
Article
Geschichte der Juden in Brandenburg a. H. [Rezension]
Date
1906-06-01
Page
401 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2316602-2316740-2316747-2336866--15323-2336963
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Bücherschau. 401 Geschichte der Juden in Brandenburg a. H. Von vr. A. Ackermann. Berlin, Verlag von Louis Lamm. Rabbiner Dr. Ackermann, der verdienstvolle Forscher auf dem Gebiete der Geschichte des Synagogengesanges, hat sich auch in dem vorliegenden, glänzend ausgestatteten Werke als Historiker par excellence erwiesen. Unter sorgfältiger Benutzung aller in Betracht kommenden Quellen — vom Chewrabuch und den Polizeiakten bis zu den Urkunden des König!. Geheimen Staatsarchivs — hat Verfasser ein Geschichtswerk geliefert, das, über den Rahmen einer bloßen Gemeindechronik weit hinausragend, zugleich eine Geschichte der Juden in der Mark Brandenburg darstellt. Wir erfahren, daß die Juden der Mark bereits im 13. Jahrhundert — 1247 werden sie zuerst erwähnt — unter den Askaniern und Wittelsbachern dieselben Rechte genießen, wie ihre christlichen Mitbürger. Ludwig der Bayer nennt sie seine „lieben Kammerknechte", „weise und kluge Leute", freilich nicht aus besonderem Wohlwollen, sondern weil die Juden damals die einzigen Träger des Geldverkehrs und somit imstande waren, die für die kostspieligen Kriege erforderlichen Gelder — freiwillig oder unfreiwillig — herzugeben. Das Auftreten des „schwarzen Todes" (1349) brachte auch über die Juden Brandenburgs Verleumdung, Tod und Vertreibung. Hundert Jahre später protestiert der Brandenburger Bischof Stefan Bodeker, ein gelehrter Kenner des jüdischen Schrifttums, gegen die Judenverfolgungen und die sie inszenierenden Fürsten. Infolgedessen durften sich unter Albrecht Achilles die Juden wieder in. der Mark ansiedeln. Von da an werden die Juden ein beständiges Kampfobjekt zwischen den Kurfürsten, die sie dulden, und den Städten, denen sich die den Juden verschuldeten Ritterschaften und die Geistlichkeit anschlossen. Doch ließ sich weder Johann Cicero noch Joachim I. zur Vertreibung der Juden drängen. Als aber Joachim I. ihnen 1509 sogar eine Art Gemeindeverfassung gab, da mußten die Judengegner die Vertreibung mit Gewalt durchsetzen: Handhabe hierzu bot der Hostienschändungsprozeß des Jahres 1510. Bischof Hieronymus von Brandenburg hat diesen entsetzlichen Justizmord verschuldet, der 41 unschuldigen Juden, darunter dem Brandenburger Rabbiner Sloman, das Leben kostete (19. Juli 1510). Sie wurden 1539 auf dem Reichstage zu Frankfurt rehabilitiert; ihr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.