Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- Berlin
- Date
- 1906-06-01
- Page
- 377 (sequence 6)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 377 Der 28. Bezirkstag des Provinzialvereins Brandenburg des „Deutschen Fleischerverbandes", bei dem 64 Innungen durch 372 Delegierte vertreten waren, hat am 16. Mai in Guben einstimmig eine Vorstellung an das Königl. Polizei- Präsidium zu Berlin beschlossen, die sich gegen die Tötung der Schlachttiere durch den Schußapparat ausspricht. Der betreffende Beschluß wurde wie folgt begründet: „Das nötige ordnungsmäßige Ausbluten der Schlachttiere wird häufig durch Starrkrampf und Aufhebung jeder Herztätigkeit 6—15 Minuten und länger verhindert; im Moment des Schusses ziehen sich die Füße starr zusammen: häufig sind Bemühungen im oben angeführten Zeitraum ohne Erfolg. Einzelne Adern bluten nach eingetretener Bewegung dann nicht mehr aus. Eine Ader mit einer Länge von 10 cm, mit Blut gefüllt, kann, hauptsächlich bei warmer Witterung, die daran liegenden Fleischteile zum Verderben bringen. Das Fleisch durch Schußapparat getöteter Tiere leidet und hat nie die Festigkeit und Dauer und ist, da weniger rein ausgeblutet, von dunkler Farbe, geht leicht ähnlich dem Wildfleisch in Schwammigkeit über und führt somit wesentlich mm Mißlingen von Dauerwaren. Durch den Schuß und den Pulvergeruch geht der Brägen, auch die Kopfpartie, durch schlechten Geschmack verloren. Die Kugel ist häufig infolge Zuckens des Tieres ins Rückenmark, auch schon in den Kamm eingedrungen; auch Gefahr für Menschenleben ist in solchen Fällen nicht ausgeschlossen. Der ehrsame Stand der Schlächtermeister und Gesellen, dessen Ruhm und Ehre es stets und mit Recht war, eine einwandfreie Tötung der Schlachttiere ohne Quälerei vorzunehmen, wird durch die allen Ersahrungen hohnsprechende Tötung mittels Schußapparats niedergedrückt und die Lust und Liebe zum Handwerk ihm verleidet. Der Bezirkstag spricht die Bitte aus, daß diesbezügliche Bestrebungen, welche außer den an Erfahrung reichen Fachmännern auch die in der Wissenschaft als Autoritäten anerkannten Prof. Dr. Ostertag-Berlin und Dr. S chmidt- Müllheim als Gegner gegenüberstehen, kein Gehör zu verleihen und es, wie bisher, bei der Betäubung durch Schlag und sofortiges Stechen, der besseren Ausblutung und der damit verbürgten Haltbarkeit wegen, zu belassen, da hiergegen keinerlei Tatsachen für Schädigung erbracht werden konnten". — Ueber ein Vorkommnis auf dem Schlachthofe in Köln, das die Freunde