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Im deutschen Reich · 1906-06-01 · Heft 6 (Juni 1906) · p. 370

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 6 (Juni 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-06-01
Page
370 (sequence 13)
Language
German
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IRI
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370 Im deutschen Reich. Nichtigkeit bedroht? In keinem Kulturstaate der Welt darf einer Verurteilung ein Prozeßverfahren vorausgehen, wie es im Prozeß gegen Hilsner beobachtet wurde". „Es muß sich eine Lösung finden lassen," schloß Dr. Elbogen, „die auch hier Recht und Gesetz zu Ehren bringt. Soll wirklich das Schicksal Hilsners von dem Zufalle abhängig sein,der irgend eine„neueTatsache"zumVorschein bringt und so dem Formalismus des Wiederaufnahmeverfahrens entspricht? Darum richte ich über alle Klüfte und Parteiungen hinweg meinen Appell an die ganze gesittete Welt: „Helft! Es gilt ein furchtbares Unrecht zu sühnen!" Die Rede des Dr. Elbogen wurde von dem zahlreichen Auditorium wiederholt von Beifallskundgebungen begleitet. Nach dem Vorträge des Dr. Elbogen gab der Präsident des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus", Baron Seiller, bekannt, daß seitens des Vereins eine Aktion zur Ermöglichung der Wiederaufnahme des Prozeßverfahrens gegen Leopold Hilsner eingeleitet werde. Ueberschwänglichen Hoffnungen darf man sich deshalb nicht hingeben; die christlich-soziale Partei, die seit zehn Jahren die Herrschaft in Wien ausübt, wird ihren Einfluß geltend machen, alle derartigen Versuche zu vereiteln- Daß sie selbst nicht vor Straßenkundgebungen zurückschreckt, um die Regierungskreise einzuschüchtern und daß diese sich einschüchtern lassen, hat sich am 26. Mai gezeigt. Eine Abordnung des Delegierten - Kongresses der Handel- und Gewerbetreibenden Oesterreichs, welche im Wiener Rathause eine Versammlung gegen die Konsumvereine abhielten, wollte unter Vorantragung einer schwarz - gelben Fahne zum Parlament ziehen. Dabei gerieten sie mit Wachleuten in ein Handgemenge, wobei die schwarz-gelbe Fahne konfisziert wurde. Eine nach Hunderten zählende Menge brach darauf durch die Kette der Schutzleute und stürmte die Rampe des Parlaments hinauf. Die Haupttore wurden jedoch geschlossen. In der Menge befanden sich mehrere Abgeordnete, darunter Bürgermeister Lueger und Steiner. Mit Stöcken zertrümmerten die Angesammelten die Glasscheiben des Hauptgittertores. Erst als die Rückgabe der konfiszierten Fahne zugesagt wurde, zerstreute sich die Menge. Die unterbrochene Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde hierauf wieder ausgenommen. Lueger wies daraus hin, daß die Versammlung gegen die Konsumvereine in voller Ruhe verlaufen sei. Der Tumult vor dem Parlament fei gar nicht gegen das Abgeordnetenhaus gerichtet gewesen, sondern gegen

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