Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1906)
- Article
- Karl Schurz über Juden und Judentum
- Date
- 1906-06-01
- Page
- 344 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2316602-2316740-2316747-2336836--15211-2336906- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
844 Jur deutschen Reich. Felde hat dieser Tote seine Lorbeeren gewonnen . . . Man nehme den ganzen Mann, wie er war und wie er jetzt in der Geschichte seiner Zeit steht, mit all seinem Sinnen und Können, mit seinem reichen Wissen und seinem edlen Streben, mit seiner selbstlosen Hingebung und der Fülle dessen, was er getan — wie groß denn ist die Zahl derer, die ihn überragen? Wo ist die Nation, die ihn nicht mit Stolz den Ihrigen nennen würde? . . . Er, der sein Vaterland so warm, wie wenige geliebt, mußte seine Augen schließen aus fremder Erde. Und nun senden wir seine Leiche zurück zu denen, für die er so lange und so treu gesorgt und gekämpft. Wenn dieser Sarg die Küsten des alten Vaterlandes er^ reicht, so wird das große Volk, dessen Siegesmale auf so viel Schlachtfeldern der Waffen und des Gedankens stehen, und dessen Macht Europa überschattet — dieses große Volk wird sich selber ehren, indem es entblößten Hauptes ihn empfängt und dem toten Patrioten die wohlverdiente Bürgerkrone aus das Grab legt. Sein Andenken aber wird jedem teuer bleiben, der Recht und Freiheit liebt, in der neuen sowie in der alten Welt/' Im Jahre 1886 sagte der Verewigte in einem Aufruf an die Deutschen in New-Jork zur Unterstützung des deutschen Hospitals u. a. Folgendes: „Vor allem aber sehen Sie sich einmal die Wohltätigkeits-Anstalten an, die hier in unserer Mitte von unseren jüdischen Mitbürgern gegründet worden sind und erhalten werden . . . Die jüdische Bevölkerung in der Stadt New-8)ork ist mir auf etwa 100000 Seelen angegeben worden, eine Zahl, die, wie mir scheint, eher zu hoch als zu niedrig ist. Der größere Teil davon wird ohne Zweifel zu den Deutschen gerechnet. Auf alle Fälle machen sie weniger als ein Drittel, wahrscheinlich nicht mehr als ein Viertel der gesamten deutschen Bevölkerung aus. Wir finden also, daß eine Klasse von Bürgern, nicht ein Drittel so stark an Zahl, in ihren Beiträgen zu Zwecken der öffentlichen Wohltätigkeit mindestens dreimal so viel an jährlichen Beiträgen leistet, als die Deutschen. Und dabei ist nicht außer acht zu lassen, daß bei den deutschen Wohltätigkeitsunternehmungen dieselben Juden vielfach mit freigebiger Hand mitgeholfen haben." Bei der Einweihung des „Montefiore-Heim" in New-Dork im Jahre 1890 ergriff Schurz das Wort und führte Nachstehendes aus: „Aus zwei Gründen bin ich ganz besonders stolz.