Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Die Ritualmord-Studien des Pfarrers Dr. Mommert
- Date
- 1906-05-01
- Page
- 300 (sequence 2)
- Language
- German
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300 Im deutschen Reich. Beleidigung abweisen, trotz der sie begleitenden huldvollen Anerkennung, welche durch den Gegensatz die furchtbare Anklage nur verschärft nnd boshafter macht. Ich wüßte nicht, wie ein Priester und Universitätslehrer genannt werden sollte, der den Ritualmord in Schutz genommen hätte! Ein furchtbareres Verbrechen, als Kannibalismus, im Namen der Religion angeblich fortwährend bis heute noch begangen von einer großen Zahl fanatischer Menschen, könnte ich mir kaum ausdenken — und ihm soll ich nun eine „Apologie" gewidmet haben!! — Herr Dr. M. wird dagegen vielleicht einwerfen: „Daß ich dies nicht so gemeint habe, beweist ja mein wörtlicher Abdruck der Königschen Kritik auf S. 117 ff. meiner neuen Schrift. Da konnte ja jeder Leserleicht erkennen, wie ich es verstanden habe." Allein diese Ausflucht hat Dr. M. sich selbst abgeschnitten, indem er die ihm freilich wohl unangenehmste, aber zur Bildung eines Urteils über meine angebliche „Apologie des Ritualmordes" besonders wichtige Partie meines Referats unterschlug und nur durch Punkte andeutete. Diese unterschlagene Partie lautet wörtlich folgendermaßen: „Nie und nimmer würde ja z. B. die geradezu entsetzliche Stelle S. 6 ff. die (kirchliche) Zensur passiert haben, wo Herr Dr. Mommert die heilige Eucharistie in Parallele stellt mit dem angeblichen Kannibalismus des jüdischen Ritualmordes! Man höre! S. 9 heißt es wörtlich: Wurde nun die rituelle Verwendung des Fleisches und Blutes Jesu im christlichen Kulte so lange als Arkandisziplin (Geheimlehre) behandelt, als dieselben (sic!3 noch nicht zahlreich und mächtig genug waren, um diesen Kult öffentlich ungestört ausüben zu können, so werden wir es begreiflich finden, daß auch die Juden die Verwendung von Menschenblut bezw. Christenblut bei ihrem Kulte als Arkansondern auch über „die rituelle Verwendung des Blutes im christlichen Kulte" zu phantasieren. Unter Bezugnahme auf unsere Veröffent> lichung im Novemberheft des vorigen Jahrgangs dieser Zeitschrift drucken wir den in der Nr. 188 der „Schles. Volksztg." dieser Tage veröffentlichten Artikel des Herrn Domvrobst Di-. A. König in Breslau vollinhaltlich hier ab und bemerken dabei, daß in demselben Blatt und auch in der „Neisfer Ztg." Herr Kaplan Dr.Blasel gründlich mit Herrn Dr. Mommert abgerechnet hat, dem er den wohlgemeinten Rat erteilte, „bei seinen topographischen Arbeiten zu bleiben" — denn: ..Xe sutor supra crepidani!"