Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1906)
- Article
- Die gesellschaftliche Stellung der Juden in Deutschland
- Date
- 1906-05-01
- Page
- 298 (sequence 20)
- Language
- German
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298 Im deutschen Reich. vertreten. Stadtverordneter, ja sogar Vorsteher der Stadtverordneten kann ein Jude werden ebenso Bürgerdeputierter, Mitglied der Verwaltungskommission und wie die Ehrenämter alle heißen. Zu allen diesen Aemtern werden Juden zugelassen, alles Ehrenämter, die viel Arbeit machen und meistens nichts einbringen. Und die Juden ergreifen diese Aemter gern und mit Freuden, sie wollen tätig sein für ihre Mitmenschen, sie wollen dem Staate dienen, dem sie angehören, sie wollen behilflich sein, die Stadtverwaltung, in deren Bannkreis sie leben, zur bestgeleiteten und erfolgreichsten zu machen. Merkwürdig, hier gibt es keine gesellschaftlichen Unterschiede, hier wird die Mitarbeit eines jeden angenommen, hier wird die Hilfsbereitschaft eines jeden angerufen, selbst wenn er ein Jude ist. Und so kann denn festgestellt werden, daß die Juden trotz allen Zurückdrängens und Zurückhaltens durch Behörden und andere ein ganz Erkleckliches freiwillig für die Allgemeinheit leisten, für den Staat sowohl, als für Stadt und Land, für Vaterland und Vaterstadt. Daraus aber folgt für uns, daß die gesellschaftliche Gleichberechtigung nach und nach auch von den Juden in Deutschland erobert werden wird. Die Epoche der Aufnahme der Juden in die Gesellschaft, von welcher der Begründer der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" schon 1837 sprach, ist noch nicht beendigt. Wir stehen noch mitten im Kampfe, wir aber sollen diesen Kampf guten Muts führen, denn der Erfolg kann nicht ausbleiben. Unsere Institutionen sollen wir einrichten, daß sie nicht nur tadellos ihren Zweck erfüllen, sondern daß sie vorbildlich werden für alle Einrichtungen gleicher Art. Wir selbst sollen nicht aufhören, an uns zu arbeiten, wir sollen nicht Massen, mit aller Energie nach der höchsten Vervollkommnung zu streben. Dabei sollen wir uns zwar nicht den Andersgläubigen aufdrängen, aber sie auch nicht meiden. Vor allem aber sollen wir m Kampfe nicht ermatten. Das Ziel ist des Schweißes der Edlen wert. Es gilt, die gesellschaftliche Gleichberechtigung durchzusetzen und sie ins Leben zu übertragen, und dieses Ziel müssen und werden wir erreichen „und wenn die Welt voll Teufel war".