Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- Beuthen O.-Schl.
- Date
- 1906-04-01
- Page
- 260 (sequence 2)
- Language
- German
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260 Im deutschen Reich. der ordentlichen Professur wird gewöhnlich von einem Schritte abhängig gemacht, der sicherlich keine Probe aus Charakterfestigkeit bildet. Wo man Hinblicke, Abschließung und Zurücksetzung! Und dann zetere man, wenn die Juden sich in den wenigen Berufen anhäufen, die ihnen übrig gelassen werden. Auch das bürgerliche Leben biete dasselbe Bild Zunehmender Unduldsamkeit. Der jüdische Kaufmann werde einerseits vom Boykott politischer und wirtschaftlicher Organisationen bedroht, der jüdische Arzt bei zahlreichen Bewerbungen prinzipiell ausgeschlossen, der jüdische Student sei isoliert. Freimaurerlogen und viele Vereine schlössen sich gegen Juden ab, verschiedene Badeorte und Gasthäuser hielten sie fern. Alle diese reaktionären Bestrebungen richteten sich aber beileibe nicht gegen die Religion, sondern gegen die Rasse, die ein kultureller Schädling sei. Und doch wird der mit dieser Rasse behaftete Glaubensgenosse, wenn er sich zur Taufe bereit findet, mit einemmal der Gentleman, der an den Tischen der Vollwertigen sitzen darf und Zu Aemtern und Würden hinaussteigt, die den andern Rassengenossen verschlossen sind . . . Nachdem der Redner die wahren Gründe des Antisemitismus historisch und wirtschaftlich näher beleuchtet, behandelte er die Stellungnahme der Juden in diesem Kampfe. Von der Bekämpfung des Antisemitismus durch vornehme Ignorierung dieser Volkskrankheit sei man jetzt glücklicherweise abgekommen. Die interkonfessionellen Abwehrvereine hätten trvtz ihrer dankenswerten Wirksamkeit auf die Dauer keine Erfolge erzielen können, weil ihnen die große Gefolgschaft versagt geblieben sei. Der Gedanke, daß die Juden selbst ihre Verteidigung in die Hand nehmen müßten, habe sich immer weiter Bahn gebrochen und Zur Begründung des Central-Vereins D. St. j. Gl. geführt, der die SelbstverteidigungderJudenim vollsten Lichte derOeffentlichkeit auf seine Fahne geschrieben habe. Kein Jude, der in seinen bürgerlichen Rechten um seines Glaubens willen gekränkt wird, solle ohne Schutz bleiben. Dieses Bewußtsein habe in den deutschen Juden eine seelische Umwandlung bewirkt, die Hoffnungsfreudigkeit aus den Sieg der Wahrheit beleb; und den Stolz auf die Zugehörigkeit zum Judentum gestärkt. Von diesem Geiste beseelt habe der Central-Verein schon manche Erfolge erzielt und darum sei der Anschluß an den Verein, der für Ansehen und Würde des jüdischen Namens kämpft, Ehrenpflicht jedes deutschen Juden. Die gehaltvollen, eindringlichen Ausführungen des Redners