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Im deutschen Reich · 1906-04-01 · Heft 4 (April 1906) · p. 249

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 4 (April 1906)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1906-04-01
Page
249 (sequence 2)
Language
German
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Veremsnacyrrcyten. 249 punkte aus autföffen und ihre besonderen Anschauungen in das Werk eines Meisters hineinprägen, der als Ethiker über den Parteien stand und, obgleich unverkennbar ein überzeugter Christ, doch dem, was das Judentum der Menschheit geboten, nicht nur Gerechtigkeit widerfahren ließ, sondern aufrichtige Verehrung Zollte. Dantes Kunstprinzip sei die Symmetrie, wie ein amerikanischer Schriftsteller schon aus der Jugendschrift ..Vita iraoyai; nachgewiesen habe. Dantes „Göttliche Komödie" erweise sich ebenfalls als ein architektonisch plastisch geordnetes Kunstwerk. Sich an dem in dieser Form dargestellten Werdegang des gottsuchenden Menschen zu erbauen, meinte der Redner, habe mit der Verschiedenheit der Religionsbekenntnisse nichts zu schaffen. Wenn ganz verschiedenartige Menschen, dieinder Ebene getrennt ihres Weges gehen, sich auf einer Alpenhöhe treffen, führen die dort gewonnenen Eindrücke sie unwillkürlich näher, so kommen auch die Menschen auf der reinen Höhe des Denkens und Empfindens zu jener harmonischen Einheit, die die Verschiedenheit der Anschauungen im Nebenmenschen achten lehrt. Dantes Credo, in dem Moses und die Propheten neben den Evangelien stehen, das die Hälfte der Himmelrose den Juden überläßt, und den Psalmisten David und den weisen König Salomo preist, ist ein Bekennen zu jenem Christentum, das nicht vergißt, was es dem Judentum schuldet. Aber Dante sei deshalb kein Jude gewesen, wie das von einem frommen und gelehrten jüdischen Schriftsteller in Zürich irrtümlich behauptet worden sei. Das müßten die unbefangenen jüdischen Verehrer Dantes ablehnen, denn damit verfielen sie nur in denselben Fehler, dessen sich jene christlichen Danteforscher schuldig machen, die den Dichter für ihre Konfession in Anspruch nehmen und in Beatrice eine Verkörperung der Kirche sehen wollen, während Dante in ihr nur die „gottsuchende Seele" symbolisiere. Wer aber Dante recht verstehen lerne, der würde stets erfahren, daß an ihm jeder beteiligt sei, der Gott suche, gleichviel auf welchem Wege. Eine Popularisierung Dantes könnten und sollten auch die deutschen Juden fördern, die diesen Meister noch zu wenig kennen, trotzdem die Lehren dieses größten religiösen Ethikers besonders geeignet seien, Vorurteile zu beseitigen. Dantes Duldung gehe noch weiter als die der 3 Ringe. Sie gehe über den Monotheismus hinaus, weil sie auch Heiden anführt, und gründe sich auf die Demut vor Gott, dem das Richteramt allein zustehe. Die Auf-

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