Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- Jüdische Lehrerinnen in Baden
- Date
- 1906-04-01
- Page
- 234 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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2Z4 Im deutschen Reich. Anfeindungen treu an der Gemeinschaft sesthült, in die er hinein geboren wurde; wir verlangen für ihn volle Gleichberechtigung, nicht nur auf dem Papier, sondern in Wirklichkeit. Anderseits aber verachten wir den Juden, der uw materieller Vorteile willen seinen Glauben wechselt, ohne durch seine Ueberzeugung dazu veranlaßt zu fein. Steht er nicht mehr auf dem Boden der jüdischen Religion, so mag er sich für religionslos erklären; nimmt er aber die Taufe, ohne an die Lehren des Christentums Zu glauben, so begeht er eine verabscheuungswürdige Handlung, die nicht strafrechtlich, aber moralisch einem Falscheid gleichkommt. Eine gerechte Staatsverwaltung darf keinen Unterschied kennen zwischen Christen und Juden; für den getauften Juden sollte aber unserer Ansicht nach kein Raum sein in der Beamtenschaft. Wer die Charakterlosigkeit begeht, sich ohne Ueberzeugung taufen zu lassen, der muß in gleicher Weise von Juden, Christen und Atheisten verachtet werden; solche Elemente aber kann man im Staatsdienst nicht brauchen. Wir verlangen gleiches Recht für Christen, Juden und Dissidenten; Leute aber, denen ihre Ueberzeugung feil ist, wie eine Ware, wollen wir behandelt sehen, wie sie es verdienen. Das ist ein Gebot der Staatsmoral, ohne die jedes Staatswesen Not leiden muß am Vesten, was es hat, an der Moral seiner Beamten und seiner Bürger. Wir könnten diese Betrachtungen weiter ausdehnen, denn die Frage des Uebertritts von Juden zum Christentum — dazu gehört auch die Lächerlichkeit und der pädagogische Unsinn, daß jüdische Eltern ihre Kinder taufen lassen und selbst Juden bleiben — verdient bis ans letzte Ende durchgedacht zu werden. Wir könnten die Frage aufwerfen, wer sind eigentlich die Geistlichen, die so leichtfertig Juden taufen, ohne sich von ihrer Ueberzeugung zu vergewissern. Wir wollen für heute uns über dieses Thema nicht weiter verbreiten; wir erwarten nur vom Oberschulrat eine ehrliche Antwort, ob er die einfachsten Prinzipien der Toleranz mißachten will oder ob er gar Wert darauf legt, daß leine jüdischen Lehrerinnen ohne innere Ueberzeugung sich taufen lassen, ob er gewillt ist, um es noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen, eine Prämie auf die Charakterlosigkeit auszusetzen.