Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- Jüdische Lehrerinnen in Baden
- Date
- 1906-04-01
- Page
- 233 (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdische Lehrerinnen in Baden. 233 Jüdische ^Lehrerinnen in Maden.*) |3fn der Sitzung des Mannheimer Bürgerausschusses beklagte sich ein Stadtverordneter darüber, daß jüdischen Lehrerinnen die höhere Mädchenschule prinzipiell verschlossen sei. Oberbürgermeister Beck sprach seine Verwunderung über diesen Antisemitismus aus und erklärte, daß die Stadtverwaltung jedenfalls keine Schuld treffe. Der betreffende Stadtverordnete erwiderte, daß er die Verantwortung dafür übernehme, daß der Oberschulrat in Karlsruhe einer jüdischen Lehrerin direkt gesagt habe, sie könne vorläufig auf eine Anstellung an der höheren Mädchenschule nicht rechnen, weil sie Jüdin sei. Uns ist nun auch ein Fall bekannt, in dem einer jüdischen Lehrerin trotz aller Bemühungen die Karlsruher Volksschulen und die höhere Mädchenschule verschlossen blieb aus Gründen, die nur in der Konfession der Petentin liegen können. Es ist nun Sache des Oberschulrats, klipp und klar zu erklären, ob er auch fernerhin gewillt ist, die einfachsten Grundsätze der Toleranz zu verletzen. Die Sache bekommt aber eine besonders üble Färbung dadurch, daß eine jüdische Lehrerin, die sich hat taufen lassen, kurz nach der Taufe eine Anstellung an einerhöheren Mädchenschule bekam. Wir kennen die betreffende Dame nicht; vielleicht hat sie sich aus Ueberzeugung taufen lassen; dann achten wir selbstverständlich den Schritt der Dame. Wenn man aber weiß —und das weiß der Oberschulrat auch —, daß Angehörige des jüdischen Glaubens in den allermeisten Fallen sich taufen lassen, um die Unannehmlichkeiten des Antisemitismus zu vermeiden, um besser Karriere Zu machen oder ihre gesellschaftliche Stellung zu verbessern, so hat es etwas ungemein Bedenkliches, dem getauften Juden irgend welche Vorteile einzuräumen. Der Staat setzt damit eine Prämie auf die Charakterlosigkeit aus. Wir achten und ehren den Juden, der trotz aller *) Von einem Vereinsmitgliede in Karlsruhe geht uns der obige, im „Badischen Landesboten" vom 3. b. Mts. veröffentlichte Artikel mit der Bitte um Ausnahme in unsere Zeitschrift zu. Die Redaktion.