Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 4 (April 1906)
- Article
- Neue Blutlügen
- Date
- 1906-04-01
- Page
- 232 (sequence 7)
- Language
- German
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232 Im deutschen Reich. das Handwerk nicht gelegt wird, ehe ihr Treiben abergläubische Menschen Zu Verbrechern und unschuldige Juden zu Opfern der „MuLlügen" gemacht hat!*) A. L. *) Selbst die „Staatsbürger-Zeitung" ist durch das wilde Treiben Krösells, der jetzt auf seinen Agitationsreisen Reden hält, in denen er erklärt: „Die keine Sühne kennende jüdische Religion ist gar keine Religion", stutzig geworden Sie hat sich wegen der Kisten- Affäre an die Posener Bahnhofs-Inspektion gewandt und folgende Antwort erhalten: Posen, Hauptbahnhof. den 13. 4. 06. Ew. Hochwohlgeboren mit dem Bemerken ergebenst zurück, daß an der Sache kein wahres Wort ist. Etwas Derartiges hat sich weder hier noch auf irgendeiner anderen Station zugeiragen. In den hiesigen Blättern ist diese unwahre Meldung auch erschienen, und hat sich selbstverständlich die Kriminalpolizei der Angelegenheit sofort bemächtigt und sestgestellt, daß es eine Ente war. Mit ausgezeichneter Hochachtung Prieur, Oberbahnhofsvorsteher. Dazu bemerkt das „Berl. Tageblatt": „Herr Krösell muß jetzt ein neues Blutmärchen erfinden. Das wird ihm ja nicht schwer fallen. Denn im Märchenerfinden ist er groß." Die „Staatsbürger- Zeitung", deren Verlag mir dem der Zeitschrift „Das Reich" verbunden ist, hat wohl aus Posen einen andern Bescheid erhofft, als sie erhalten hat, denn die Zeitschrift „Das Reich" wendet sich in der Nummer vom 12. April gegen die „Freie Deutsche Presse" mit den Worten: t „Etwas anders, als mit den Hexen, liegt die Sache nun doch mi dem Blutaberglauben Der RabbinaLskandidat Bernstein in Breslau hat vor einigen Jahren in gerichtlicher Untersuchung zugestanden, daß das Blut, welches er einen? Knaben abgezapft, abergläubischen Zwecken dienen sollte. Solcher Aberglaube besteht. Und die Staatsanwaltschaft Lut sehr wohl, eia Auge darauf zu haben." — Der Blutaberglaube besteht leider! — aber nicht bei den Juden, sondern bei manchem eifrigen Leser antisemitischer Blätter, deren Treiben wirklich die Aufmerksamkeit der Staatsanwaltschaft verdient!