Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Königsberg i. Pr.
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 198 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316740-2316744-2336386--14934-2336496- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Im deutschen Reich. 198 läufigen autisemirischen Schlagworten abgelehnr wurde. Ich war bisher der Ansicht, daß die Wissenschaft frei wache: dies zumal, wenn es sich um Betätigung in der freiesten aller Wissenschaften, nämlich der Naturwissenschaft, handelt. Umsomehr bedauere ich, daß die jüngere Generation sich in einen ausgesprochenen Gegensatz Zu den Tendenzen stellt, die uns Aeltere bei der Gründung akademisch naturwissenschaftlicher Vereine leiteteten. Ich kann es nicht gelten lassen, daß man — nur um wenige Namen zu nennen — einen Ferdinand Cohn, einem Nathanael Pringsheim und R. Heidenhain einen Makel lediglich aus dem Grunde angeheftet, weil sie jüdischer Herkunft waren. Wie ich es als eine Ehre empfinde, mit den genannten Männern in freundschaftlichen Beziehungen gestanden zu haben, so erachte ich es als ein beschämendes Zeichen der Zeit, daß antisemitische Tendenzen gerade in jenen wissenschaftlichen studentischen Vereinen Eingang gesunden haben, die vollen Anlaß hätten, der akademischen Jugend durch Toleranz und vorurteilsfreie Gesinnung ein nachahmenswertes Beispiel zu geben. Sollte es sich Herausstellen, daß ich mit meinen Anschauungen mich im Gegensatz zu der Mehrheit der Mitglieder des „Alte Herren-Verbandes" besinde, so würde ich Anlaß nehmen, mein Ehrenamt als stellvertretender Vorsitzender niederzulegen und aus dem Verbande auszuscheiden." □ Hamburg, 1. März. Ueber die am 5. v. M. hier veranstaltete Central - Vereins - Versammlung berichtet die „Neue Hamburger Zeitung": „Herr Dr. Jacob aus Dortmund hielt einen Bortrag über „Staatsidee und Glaubensbekenntnis". Die Ausführungen des Vortragenden gipfelten darin, haß den Juden in einem Staate, in dem ihnen die volle Gleichberechtigung gesetzlich garantiert sei, auch keinerlei Hindernisse beim Eintritt in die Richterlaufbahn in den Weg gelegt werden dürften usw. Herr Rechtsanwalt Waldstein trat dafür ein, an Stelle der jährlich in Berlin stattfindenden Generalversammlung,DelegierLen- Verfammlungen der einzelnen Ortsgruppen abzuhalten. ZumSchluß wies der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt IA. Julius Lippmann, noch auf Gabriel Rießer hin, dessen 100. Geburtstag in nächster Zeit in Deutschland feierlich begangen wird. Der Redner ersuchte die Versammlung, sich an dem Lebensweg eines Gabriel Rießer ein Beispiel zu nehmen, und mutig und unentwegt für die Ziele des Vereins einzutreten.