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Im deutschen Reich · 1906-03-01 · Heft 3 (März 1906) · p. 196

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 3 (März 1906)
Article
Königsberg i. Pr.
Date
1906-03-01
Page
196 (sequence 2)
Language
German
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Im deutschen Reich 1W> offen den Ausschluß der jüdischen Mitglieder festsetzt, aber schließlich darauf hinausläuft, indem in verklausulierter Form Vereinen, die vielleicht einmal beitreten wollen, zur Bedingung gemacht wird, daß sie keine aktiven jüdischen Mitglieder haben dürfen. Unser Verein, der Klarheit haben, seinen bewährten Traditionen treu bleiben und sich die Freiheit der Entschließung im eigenen Hause bei der Aufnahme von Mitgliedern wahren will, wünscht, daß der Verband, der den Namen eines naturwissenschaftlichen führt, die Hand von solchen, seiner Grundlage und seiner Tendenz fern liegenden Zielen lasse und bringt den Antrag ein: „Bon religiösen Fragen hält sich der Kartellverband grundsätzlich fern/' Trotzdem der Verband darüber nicht im Unklaren gelassen wurde, daß unser Verbleiben von der Annahme des Antrages abhängen würde, lehnt er denselben ab, indem er ausdrücklich betont, daß jeder, der zum Judentum gehört, allein schon deswegen ausnnhmeunsühig ist. Man hat also unfern Verein sang- und klanglos Ziehen lassen und auf unsere fernere Mitwirkung stillschweigend verzichtet. Jetzt endlich möchte man uns doch nicht verlieren. Man will uns wieder haben, offenbar unter dem sanften Druck der Alten Herren, besonders Prof. Chun- Leipzig und Prof. Beneke-Königsberg, um dem öffentlichen Skandal, daß ein wissenschaftlicher Verband sich zum Bannerträger des verbohrtesten Antisemitismus macht, ein Ende Zu bereiten. Als erste Vorbedingung dafür wird man doch selbstverständlich eine Abkehr von solchen, der Naturwissenschaft Hohn sprechenden Grundsätzen erwarten müssen. Dieselbe mag, das gebe ich zu, tatsächlich stattgefunden haben. Aber in dem Vermittelungsantrag des Leipziger Vereins ist das mit keiner Silbe gesagt, weshalb ihn unser Verein in einem Briefe an mich sehr treffend ofe? „klägliches Kompromiß" bezeichnet hat. Der Antrag besagt nichts weiter, als daß alles, was bisher geschehen, mit dem Manrel der Liebe bedeckt und stillschweigend begraben werden soll. Ja, ist denn das möglich nach allem, was vorhergegangen? Der Verband sagt nichts davon, welchen Standpunkt er fortan einnehmen will. Wäre nichts geschehen, so hätte man wohl annehmen können: einen neutralen. Aber jedermann weiß, daß er aus dem Boden des Antisemitismus steht, und so lange er nicht erklärt, daß er diesen Boden verlassen har, wird er nach wie vor als grundsätzlich antisemitisch gelten. Ich weiß übrigens

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