Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Voltaire und die Juden
- Date
- 1906-03-01
- Page
- 170 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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170 Iw deutschen Reich. Ein wesentlich Neues aber erweist der ganze Handel: Voltaire hat seinen Judenhaß nicht aus bösen Erfahrungen mit Juden herleiten können. Mit unumstößlicher Gewißheit zeigt sich, daß Hirschel keine Unehrlichkeit nachgesagt werden kann. Nicht der Kammerherr Voltaire, sondern der Schutzjude Hirschel war in Gefahr, betrogen zu werden. — Es fehlt also an jeder berechtigten Erklärung für den Haß, mit dem der Dichter die Juden dem Hohne überlieferte. Es müssen — beweisen wird sich das nie lassen — in seinem Charakter die Ursachen dafür gelegen haben. Er, der Habgierige und Geizige, mag an den Juden wiederholt mit seinem Streben nach großem Gewinn abgeprallt sein. Seit Jahrhunderten hatte ihnen ja kein anderes Mittel zum Leben offengestanden, als der Handel, so daß sie gewitzigt genug waren, um sich rechtzeitig zu schützen. In anderem Sinne allerdings kann auch der Streit mit Hirschel seinen Haß entfacht haben; denn er war es, der seine Stellung am preußischen Hofe ins Wanken brachte, der einen Bruch der engen Freundschaftsbande mit Friedrich II. eintreten ließ. Das kann ihn erbittert und auf die Bahn aller Judenfeinde geführt haben, die an der Gesamtheit ihren Unwillen auslassen, um einen mir Recht oder auch wider Recht — zu treffen. Der Vorwurf aber fällt auf ihn zurück, und wir Juden können mit stolzem Gefühl aus solche Feindschaft herabblicken, die, niedrigen Instinkten entsprungen, niedrige Kampsesmittel gebraucht. Kirre Leistung der frommeu „Kreuzzeitrmg." »ie „Kreuzzeitung" hat, wie wir bereits im vorigen Heft __ dieser Zeitschrift kurz berichtet haben, bei einem Vergleich der Ergebnisse der Sammlungen des Hilfsvereins deutscher Juden in Berlin für die Opfer der russischen Judenverfolgungen und des Hilfsausschusses für die geschädigten Deutschen in Rußland zu behaupten gewagt, daß der deutsche Jude nichts übrig hat für den Deutschen im Auslande, alles dagegen für den nichtdeutscheu Juden, auch wenn er deutschfeindlich oder revolutionär ist. Den Schatten eines Beweises hat sie für diese tiefverletzende Behauptung nicht gebracht, auch