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Im deutschen Reich · 1906-03-01 · Heft 3 (März 1906) · p. 162

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 3 (März 1906)
Article
Blütenlese
Date
1906-03-01
Page
162 (sequence 13)
Language
German
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162 Im deutschen Reich. recht trauriges Gefühl sein, einen so herben Zwiespalt ungelöst in der Brust zu haben. Was aber unsere Sache betrifft, so denken wir: wenn Menschlichkeit und Zivilisation auf unserer Seite streiten, so wollen wir mit den Rücksichten der Klugheit und der Vorsicht schon fertig werden! dlt Woltaire und die Juden. Von Gustav Cohn, Berlin. ^^n dem Verhalten zu den Juden kann man die Ehrlichkeit der Freiheitsapostel und Philosophen ganz genau prüfen. Mirabeau war ohne Zweifel aufrichtig für die politische Freiheit erglüht, so sehr man ihn auch der Korruption beschuldigte; denn er hat für die Juden aus freier Regung warm geschrieben und gesprochen. Voltaire dagegen kann es nicht redlich mit seinen Tiraden von Toleranz und Freiheit gemeint haben, weil er die öffentliche Meinung gegen die, welche am meisten der Duldung bedürftig waren, gehetzt hat." Mit diesem Urteil schließt Graetz seine Untersuchung über das Verhältnis Voltaires zu den Juden und kennzeichnet damit den krassen Widerspruch in den Lehren des einst am preußischen Hose so gefeierten Günstlings. In der Tat dürfte es kaum je einen anderen Denker gegeben haben, dessen unzweifelhafte Geistesgröße einem ganzen Zeitalter eine bestimmte Richtung auszuprägen vermochte, und der dennoch einen auch nur annähernd gleichen Haß gegen die Juden betätigt hätte. In allen seinen Schriften, in Dramen und Romanen wie in gelehrten Werken, sind sie die Zielscheibe einer beißenden Ironie, lästernden Hohnes und schmählichster Beschimpfungen. „Sie finden in den Juden nur ein unwissendes und barbarisches Volk, das seit langer Zeit den schmutzigsten Geist zum verabscheuungswürdigsten Aberglauben und zum unüberwindlichen Haffe hinzusügt gegen alle Völker, die sie dulden und bereichern," so charakterisiert er einmal die Juden. Von so hartem Urteil eines bedeutenden Mannes würden wir Juden

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