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Im deutschen Reich · 1906-02-01 · Heft 2 (Februar 1906) · p. 125

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 2 (Februar 1906)
Article
Judenmord und Christenliebe [Rezension]
Date
1906-02-01
Page
125 (sequence 2)
Language
German
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Bücherschau. 125 gegenüberfteht. Stolz pocht der Deutsche aus seine hohe Kultur — »Deutschland in der Welt voran" — und auf seine Hilfsbereitschaft, wo es gilt, Not zu lindern und dem Unterdrückten beizustehen; herrlich hat sie sich gegenüber den Buren nnd den Bewohnern von Martinique, Aalesund und Kalabrien bewährt. Merkwürdig: sobald es sich um Juden handelt, versagt die christliche Nächstenliebe, die sich doch sogar das Seelenheil der Siouixindianer, Feuerlandsinsulaner und Kongoneger angelegen fein läßn Obwohl durch die an den Juden verübten Greueltaten nicht bloß die jüdische Glaubensgemeinschaft, sondern die ganze Menschheit schwer beleidigt ist, haben sich in Deutschland nur vereinzelt nichtjüdische Stimmen vernehmen lassen, die das von der russischen Regierung gebilligte Verbrechen gebührend brandmarkten. Wohl möchte mancher Menschenfreund zu edler Tat sich aufraffen; es ist ihm aber peinlich, in den Spendenlisten seinen Namen unter lauter jüdischen Namen zu sehen und — Gott behüte! — als Judenknecht verschrieen zu werden. Die Machthaber denken nicht daran, es der Juden wegen mit dem befreurMten russischen Nachbar zu verderben, während sie eigentlich einen Staat, in dem noch mittelalterliche Barbarei herrscht, nicht auf gleiche Stufe mit dem eigenen Reiche stellen dürften. Aber auch die öffentliche Meinung hüllt sich in Schweigen; „das Gewissen Europas" wie Maeterlinck Deutschland genannt hat — bleibt diesen unsagbar traurigen Ereignissen gegenüber ruhig Mahnend und warnend sucht es dies Schriftchen zu wecken, zu gewaltiger Hilfsaktion fordert es auf. Dem Ernste seiner Tendenz entsprechend, ist die Sprache des Schri'Lchens recht herb; jedes Wort aber ist bittere Wahrheit. Den vorurteilsfreien Nichtjuden — und an ihn ist das Mahnwort gerichtet — wird es zum Nachdenken anregen. Der billige Preis der Broschüre — 20 Pf. — ermöglicht es jedem, sie in mehreren Exemplaren anzukaufen, um sie recht vielen christlichen Freunden und Bekannten zugänglich zu machen * * Bei der Redaktion ist eingegangen: Stenographischer Bericht über die zu Berlin am Montag, den 30. Oktober 1905 abgehaltene erste Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Juden. Berlin 1905* Druck von H. S. Hermann.

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