Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 12 (1906)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1906)
- Article
- Essen a. d. Ruhr
- Date
- 1906-01-01
- Page
- 38 (sequence 2)
- Language
- German
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38 Im deutschen Reich. nichts nütze, sei angesichts von Tatsachen hinfällig. Es ist gelungen, die Judikatur in wesentlichen Stücken aufzuklären; Religion und Moral des Judentums dürfen nicht mehr ungeahndet öffentlich geschmäht, Einzelpersonen nicht in der Presse verleumdet werden. Die antisemitische Presse weiß sich beobachtet und ihres besten Agitationsstoffes, der sensationellen Lügen, beraubt. Nicht minder wichtig ist das Wirken der Vereinstätigkeit nach innen. Selbstachtung und Mut sind wieder gehoben, das Gefühl der Verantwortlichkeit angesichts der Verallgemeinerung auch der kleinsten sittlichen Verfehlungen gestärkt worden. Der Einwand, daß wir der Abwehr nicht mehr bedürfen, weil die Kraft des Antisemitismus gebrochen sei, ist wohl noch nicht stichhaltig, haben wir es doch mit dem Nachwuchs zu tun, der auf den Hochschulen mit antisemitischem Geiste durchtränkt wurde und nun Stellen im Beamtenkörper inne hat. Selbst der Antisemitismus der Gasse darf sich noch breit machen: man denke an Graf Pückler und die zwangsweise Entfernung eines jüdischen Bilderhändlers aus Borkum. Aber auch eine versöhnende Mission hat der Verein; er will die Verbitterung und Verzweiflung am Vaterlande fernhalten. Wir sollen von Ludwig Bamberger lernen, der die Bitternis der Verbannung gekostet und dennoch gesagt hat: „Wir müssen uns für den Tag bereit halten, da das Vaterland uns Zurückruft." Mit einem warmen Appell an die anwesenden Gäste zum Beitritt schloß der Redner. Der Vorsitzende, Herr Rechtsanwalt Abel, zollte dem Vortragenden Worte herzlichen Dankes, und erstattete dann den Jahresbericht. Danach war in Rechtsstreitigkeiten die Ortsgruppe dreimal tätig. Für Propaganda sorgte sie durch Versammlungen in Gelsenkirchen (im Februar ö. I.) und in Steele (im März) und führte dem Verein dort ca. 50, hier 35 neue Mitglieder Zu. Der Redner verwies dann auf die in der nächsten Zeit in Cöln und Düsseldorf bevorstehenden Versammlungen, die eine Verteilung der Arbeit durch provinziale Verbände herbeiführen würden, und brachte nachstehende, dem Central-Vereins-Vorstand zu übermittelnde Resolution vor: „Es ist eine Ehrenpflicht, die Mitglieder des Vereinsvorstandes, die durch Arbeiten für den Verein bereits überlastet sind, in der dringend notwendigen Propaganda für die Vereinsidee tatkräftig zu unterstützen. Provinzielle Agitationsausschüsse müssen dem Centralvorstand helfend