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Im deutschen Reich · 1906-01-01 · Heft 1 (Januar 1906) · p. 30

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
12 (1906)
Issue
Heft 1 (Januar 1906)
Article
[Ohne Titel]
Date
1906-01-01
Page
30 (sequence 17)
Language
German
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Im deutschen Reich. 30 irgend welche Rücksichten Zu nehmend Sreht ihm das Schicksal so vieler Reichsangehörigen, das Schicksal eines ganzen Bruderstammes nicht näher als diplomatische Bedenken irgend einer Art? Weite Kreise des deutschen Volkes blicken mit Zorn und Empörung auf das, was in den unglückseligen Ostseeprovinzen sich abspielt. Ich bin gewiß, das deutsche Volk würde seiner Regierung auf das freudigste Zustimmen, wenn sie sich bereit Zeigen würde Zu energischer Tat." Sogar die Hetzerei gegen England hat in dem „Antisemiten-Moniteur" und der gesinnungsverwandten „alldeutschen Presse" aufgehört, seit die deutsche Reichsregierung von antisemitischer Seite Zu einer Besetzung Rußlands durch deutsche Truppen verleitet werden soll. Da wird von Di*. Albrecht Wirth gesagt: „Eine Abrechnung mit dem Slawentum ist unvermeidlich, und nie waren die Verhältnisse so günstig wie heute. Wir würden Zunächst dadurch die Mißgunst Englands in freudigen Beifall verwandeln, aus einem Gegner würde es sofort ein Freund. Und auch Frankreich kann nur damit Zufrieden sein, wenn wir unsere Expansionsbestrebungen nach einer anderen Himmelsgegend Zu betätigen, als in der die gallische Republik und Marokko liegt. Sodann haben wir dringend Land nötig, und zwar nicht tropisches Kolonialland, gut für einige wenige Pflanzer, sondern Land, wo sich unsere Bauern ansiedeln könnten." — Wir meinen, daß die deutsche Reichsregierung für diesen Zweck kaum „die Knochen eines pommerschen Musketiers" der rasenden Wut empörter baltischer Bauern preisgeben wird. Die Erfahrungen der letzten Jahre des 18. Jahrhunderts haben die deutschen Staatsmänner belehrt, wohin ein Verhalten Zu führen pflegt, Zu dem sie lene antisemitischen Staatsweifen verlocken wollen, die durch ihre verhängnisvollen Lehren erst den Weltbrand entfacht haben, der sie fetzt selbst erschreckt. Mögen sie, die beständig die Massen gegen Wehrlose aufreizen, es nur beherzigen, daß jede böse Tat fortzeugend Böses muß gebären und daß gerade die wechselnden Schicksale der Juden stets die Wahrheit des Satzes bewiesen haben: „Die Weltgeschichte ist das Weltgericht." A. L.

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