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Im deutschen Reich · 1905-12-01 · Heft 12 (Dezember 1905) · p. 676

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 12 (Dezember 1905)
Article
[Ohne Titel]
Date
1905-12-01
Page
676 (sequence 2)
Language
German
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676 Im deutschen Reich. bei der hiesigen SchuhLruppe gedient hatte, und seit mehreren Zähren eine der angesehensten Farmen sein Eigen nennt. (Farm HaLsamas). Außerdem gibt es hier u. a. jüdische Frachtführer, einen jüdischen Zugführer bei der Staatseisenbahn, sowie angesehene jüdische Kaufleute. — Ich bin Ihr sehr ergebener Paul Kant, Milglied des Central-Verems." Die „Deutsche Zahnärztliche Wochenschrift", das Organ des Vereinsbundes deutscher Zahnärzte, bringt in der jüngsten Nummer folgende Notiz aus der Feder eines christlichen Zahnarztes: In der Nr. 41 der Wochenschrift befindet sich eine nur zu berechtigte Klage des Kollegen A. C. in B. darüber, daß bei Annoncen, die Stellen offerieren und sogar in der Sielleutafel unseres Blattes sich immer wieder in Klammer die Bedingung Christ, Katholck usw. findet. Ich bin fest überzeugt, daß viele Kollegen beim Engagement eines Assistenten viel zu viel Wert auf die Konfession legen. Ich selbst bin Christ, war aber vor etwa 12 Jahren in ausgesprochen jüdischer Praxis als Assistent tätig und habe niemals gemerkt, daß ein Patient danach fragte. Ich bin evangelisch und war bei katholischem Zahnarzt als Assistent und hatte sogar in einem Kloster zahnärztlich zu Lun, ohne daß sich die Oberin oder die Nonnen an meinem Glauben stießen. Ich bin seit bald drei Jahren mit einem Kollegen assoziiert, der Jude ist und aus frommer jüdischer Familie stammt: ich habe aber niemals gemerkt, daß sich ein Patient darum kümmerte, ebenso wenig wie mich meine christliche Konfession hinderte, hier in Frankfurt a. M., wo doch ein großer Teil der besseren Patienten Juden sind, eine verhältnismäßig große Praxis zu bekommen. Um so sonderbarer hat es wich vor etwa drei Monaten berührt, als ich in einer zahnärztlichen Zeitung eine Annonce eines hiesigen Kollegen, der Jude ist, las, in der er einen Assistenten suchte und als Bedingung hinzufügte „Christ". Ob sich wohl die Patienten dieses Herrn Kollegen nur von einem christlichen Zahnarzt behandeln lasten? Oder traut der Herr Kollege einem Juden nicht die nötige Fähigkeit zu? Oder fürchtet er etwa einen so frommen Juden, wie er wünscht, doch nicht zu finden und sucht deshalb lieber gleich einen Christen? Ob Jud' oder Christ, frag' nicht „was"? sondern „wer" er ist. E. M.

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