Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1905)
- Article
- Konitz
- Date
- 1905-12-01
- Page
- 660 (sequence 2)
- Language
- German
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660 Im deutschen Reich. Flatow und Lewin wieder und Herr Louis Tuchler neu gewählt worden. — Die „Ostd. Tageszeitung" berichtet: „In Flatow ist am 27. Nov. in emer sehr gut besuchten Versammlung, in der die Herren Geheim r Regierungsrat Schwab ach-Berlin und Dr. Kipper-Königsberg sprachen, ein Nanonalliberaler Verein endgiltig gegründet worden. Ja den Vorstand wurden gewählt die Herren Bürgermeister Haack/ Vorsitzender, Kgl. Schulrat Bennewitz, Amtsrichter Köhler, Malermeister Wangemann, Fkischermeister Frohwerk als Beisitzer. In dieser Versammlung kennzeichnete Dr. Kipper die Hohlheit der von dem ehemaligen Hofpretiger Stöcker gegründeten anüsemitischen Partei und ihre bekanntesten Vertreter: Dr. Bocckel, der jetzt verschollen sei, Stöcker, der zu den Toten Zahlt, — unser Kaiser habe ihn längst fallen lassen, — Expastor K-öfell, der steckbrieflich verfolgt wurde, Böckler, den Abgeordneten des Wahlkreises Schlochau-Flatow, Redakteur der „Staatsbürger-Zeitung", die unter anderem eine „Germanen-Bibel" empfehle, d. h. eine Blumenlese aus deutschen Dichtern, die aber „Bibel" genannt werde und von „heiligen Schriften" spreche. Das habe eine tiefere Bedeutung: Die Antisemiten wollen nichts vom Christentum wissen, weil der Gründer dieser Religion ein Jude war! Darum pflegen sie eine „germanische Religion". „In derselben Nummer, in der ich das lese, befindet sich aber auch eine Beilage von dem großen Warenhause Baer Sohn. Man sieht, wie taktfest die Antisemiten in ihren Prinzipien sind." Vom Dreschgraren Pückler, der von Bruhn durch die Berliner Säle geschleift wurde, und die Judenverfolgungenin Rußland uns als Muster bezeichnet, sprach Redner ebenfalls. Als Pückler verhaftet wurde, da hake Bruhn!tine Liebe mehr für ihn gehabt, derselbe Bruhn, der durch seine Hetzarbeit in Könitz das Gericht aus falsche Fährte lenkte, und dem wir es zu verdanken haben, daß der Urheber des traurigen Wmterschen Falles nicht ermittelt wurde. Der Redner beleuchtete dann die parlamentarische Tätigkeit Böcklers und bemerkte dabei: „Böckler hat hier im Wahlkreise versprochen: „Jeder Landmann, der ihn wählen würde, würde von ihm zu der einen Kuh, die er habe, eine zweite bekommen, und wer gern Schnaps trinke und ihn wähle, der werde bald erfahren, daß der Schnaps billiger werde. Nun, ich denke, im nächsten Wahlkampfe wird Böckler an seine Versprechen erinnert werden. Wir aber hoffen, daß der Wahlkreis die Schmach, durch einen Antisemiten vertreten zu sein, von sich abschütteln wird. Das ist der Zweck der Einigung der Liberalen und ihrer Bereinsarbeit im Wahlkreise Schlochau-Flatow: Es soll unmöglich gemacht werden, daß je wieder ein Antisemit hier gewählt