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Im deutschen Reich · 1905-12-01 · Heft 12 (Dezember 1905) · p. 635

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 12 (Dezember 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-12-01
Page
635 (sequence 4)
Language
German
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Nmschmr. 685 Förderung, jo sind die Ausschreitungen mit Brandstiftung und Plünderung raich da." — Daß einzelne kleinere schlesische Blätter, so z. B. das „Gwß-Strehlitzer Stadrblatt", diese antisemitische Weisheit werter verbreiten würden, war unschwer vorauszusehen. Aber auch größere deutsche Blätter glaubten es ihrem „arischen" Selbstbewußtsein schuld'g zu sein, in dasselbe Horn zu stoßen und für die Ausbrüche der tierischen Rohelten des fanatischen Pöbels nach einer Entschuldigung zu suchen, indem sie die kindlichen und greisen Opfer jener Metzeleien zu Angreifern stemprlten. So schrieben die „Leipziger Grenzboten^: „Das Judentum ist das Rückgrat der russischen revolutionären Bewegung geworden, es hat mit deutscher sozialdemokratischer Hilfe und nach deutschem sozialdemokratischem Vorbilde die Revolutionsarmee geschaffen, die von der deutschen Grenze bis mx Ostgrenze Sibiriens organisiert dasteht. Ohne die Judenschaft in Rußland wäre dieser gleichzeitige Ausbruch in seimn Ungeheuern Verzweigungen und seiner in der Geschichte aller Zeiten unerhörten Ausdehnung gar nicht möglich gewesen. Solche revolutionären Zuckungen eines mächtigen Staarskörpers vollziehen sich aber nicht ohne Erschütterungen der schwersten Art und nicht ohne Opfer. Wer die Pöbclmaffen ruft und organisiert, muß damit rechnen, daß sie sich auch gegen ihre Organisatoren wenden, und wer die Eisenbahnen zum Stillstand bringt, muß es in den Kauf nehmen, daß er sich damit selbst die Flucht abschneidet. Wie die Verhältnisse in Rußland nun einmal liegen, find die Judenverfolgungen der fast unvermeidliche Gegenschlag, die selbstverständliche Folge der sozialdemokratischen Revolution." — Daß sich viele Irden an dem Freiheitskampfe in Rußland beteiligt haben, soll nicht in Abrede gestellt werden; dies gereicht ihnen doch nicht zur Unehre, und ihr Kämpfen ist um so erklärlicher, als sie unter der Bedrückung eines despotischen Regiments am meisten zu leiden hatten. Aber an dem Widerstand gegen die Bedrücker waren sie sicher in unendlich geringerer Anzahl beteiligt als ihre christlichen Mitbürger, die von der rächenden Nemesis Zumeist verschont blieben, weil die Volkswut künstlich ausschließlich auf die Juden abgelenkr wurde, um mir Hilfe einer Gegenrevolution das unhaltbare korrupte Verwaltungssystem mir Blut wieder zusammenzukitten. Diese Tatsache ist der judenfemdlichen deutschen Presse nicht fremd; es ist dafür bezeichnend, daß die „Staatsbürger-Zeitirrrg" fast in einem Atem einerseits behiupret, die Juden hätten die Revolution geschürt und seien deshalb die > Opfer der Gegenbewegung

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