Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1905)
- Article
- Heinrich Rickert über Juden und Judentum
- Date
- 1905-12-01
- Page
- 627 (sequence 2)
- Language
- German
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Heinrich RrckerL über Juden und Judentum. 627 angetane Beleidigung? Wenn Sie diese Empfindung nicht haben, — ich bedauere es tief, aber ich kann sagen, daß ich in diesen Tagen wirklich mit Scham es empfunden habe, ja, namentlich heute, daß ein Teil unserer deutschen Mtlbürger, die Männer in ihren Reihen haben, die meine best n Freunde Zu nennen ich stolz bin, in solcher Weise angegriffen werden. Ja treffen Sie diese Männer denn nicht, auch diejenigen nicht, die in unseren Reihen sitzen, wenn Sie fortwährend von „jütischem" Wucher, „jüdischer" Konkurrenz, „jüdischer" Uastttlichkeit sprechen? Meine Herren, die Juden sind deutsch . . . Ja, es ist doch wirklich eigentümlich, daß Sie für diejenigen Angriffe, welche Sie gegen eine ganze, geachtete Klaffe unserer Bevölkerung, g-'gen unsere deutschen jüdischen Mitbürger richlen, nun nichts weiter zur Entschuldigung ansühren können, als das Verhalten einzelner Zeitungsorgane. als einzelne Aussprüche aus Broschüren, von denen wir zum Teil sogar gehört haben, daß sie von Christen henühren . . . M. H., ich habe hier aus diesem salben Zeitungsblatt („Neue f-eie Presse^ in Wien) eine Notiz, daß die Deutschen in einer czechischen SradL in ihrem Gesangverein, und zwar ist dieser Gesangverein ein israelitischer, die Einladungen in deutscher Sprache ergehen lassen und die Lieder in deutscher Sprache singen; die Czechen haben verlangt, daß sie die Lieder auf czechisch singen sollen. Die Juden, die deutschen Juden waren es, die dort das Deutschtum aufrecht erhalten haben wollen. Sehen wir denn etwas anderes in Polen? Wer hat die Juden herausgetrieben aus Deutschland? Christen sind es gewesen, und die Juden sind naL Polen gegangen, und sie haben Treue ihrem angestammten Vaterlande bewahrt und deutsche Sitte und deutsche Sprache bewahrt bis auf den heutigm Tag . , . Friede und Freiheit für die Ueberzcugungen und das Gewissen des Einzelnen, nicht aber jene ungerechtfertigten Verdächtigungen und Angriffe gegen unsere Mitbürger, die in Ehren mit uns gemeinsam arbeiten für Vaterland und Freiheit!" In einem im Januar 1886 in Brandenburg vor circa, 1500 Personen gehaltenen Vorträge sprach Rickert über die Ausweisung von 30 000 Polen und erwähnte ein Beispiel aus seiner Vaterstadt Danzig, wobei er bemerkte: „Es muß hierbei (bei der Ausweisung eines unbescholtenen, fleißigen und friedfertigen Inder) hervorgehobeu werden, was sich nun einmal nicht leugnen läßt, daß die Juden fast durchweg ihre Verwandten nicht blos mit Rat, sondern auch mit Tat, mit klingender Märze unterstützen, und daun sollten wir (Christen) sie uns zum Vorbild nehmen." Am 20. März 1890 sagte der Abgeordnete im preußischen Landtage: „Die Hetzrede eines evangelischen Geistlichen, wie sie Herr