Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 11 (1905)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1905)
- Article
- Justizminister a. D. Schönstedt
- Date
- 1905-12-01
- Page
- 626 (sequence 4)
- Language
- German
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526 Im deutschen Reich. bleiben. Die Auffassung, die dazu führte, die hehre Göttin der Justitia in der Allegorie mit einer Binde vor den Augen darzustellen, hat durch den Justizmmister selbst einen empfindlichen Stoß erhalten. Denn unter seiner Amtsrätigkeit schielte sie unter der Binde weg nach dem Glauben, nach der Abstammung, anstatt blindlings Verfassung und Gesetz hockzuhulten. Und so haben wir Juden keine Veranlassung, dem geschiedenen Justizmmister eine Thräne nachzuweinen, aber auch Andersgläubige, die persönliche Zurücksetzung nicht erfahren haben, durften keinen Anlaß dazu haben. Denn auf die Dauer verträgt kein Rechtestaat (inen RechtsleiLer, der sich selbst über Gesetz und Verfaffung hinwegsetzm zu dürfen glaubt, und — klingt es auch wie ein Hohn — diesem Justizmmister muß man bei seinem Abgang die Worte ins Stammbuch schreiben: kunäLmentum regüorum.“ Dr: X. Heinrich Wickert über Juden und Judentum. Von Rabbiner Dr. Victor Nordheimer in Schwetz a. SB. äh-Daum war vor drei Jahren die Klage um Rudolf Virchow verhallt, als ein neuer Schmerz gar viele Gemüter erfüllte. Am 3 November 1902 erlosch die Lebensfackel des Abgeordneten Heinrich Rickert, der nach verschiedenen Richtungen hin überaus segensreich gewirkt hat. Besonders hat der edle Mann, von einem tiefen Rechtsgefühl geleitet, sich stets der Bedrückten und Zurückgesetzten angenommen und ist namentlich für die Juden in sturmbewegter Zeit warm eingetreten. Wie der schaffen!freudige Rickert sich über die Juden geäußert hat, motze aus Anlaß der Wiederkrhr seines Todestages im Folgenden gezeigt werden. Bei Besprechung der Hänelschen Interpellation im preußischen Landtage am 22. November 1880 hielt der Abgeordnete eine Rede, in welcher er u. a. sagte: „Ist es erhört, daß in diesen Räumen fortwährend das Wort „jüdische Mitbürger" im Zusammenhang mit „llnehrlichkeit" im Erwerbe und anderen ähnlichen Dingen in Verbindung gebracht wird? Sind das nicht unsere deutschen Mitbürger, die so angegriffen werden, und empfinden Sie dies nicht wie wir auch als eine ihnen