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Im deutschen Reich · 1905-12-01 · Heft 12 (Dezember 1905) · p. 623

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 12 (Dezember 1905)
Article
Justizminister a. D. Schönstedt
Date
1905-12-01
Page
623 (sequence 1)
Language
German
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Im deutschen Keich. ZeiLschvift des keMsmivs hesUek Wijlhks 8liil«§. Vrschrink ^wslfmsl int Zähre. ---------- XI. IcrHvg. Berlin, Dezember 1905. Wr. 12. Justizminister a. A. Schönstedt. »er Wunsch, den die S*aatsbürgerzeitung am 6. Januar 1903 dem Justizminister Schönstedt zum 70. Geburtstage darbrachte, daß ihm noch eine lange und gesegnete Amtstätigkeit beschieden sein möge, — gesegnet natü> lich in ihrem Sinne — ist nicht in Erfüllung gegangen. Herr Schönstedt gehört nach 11 jähriger Tätigkeit an der Spitze des Justizministeriums zu den politisch Toten, und wenn wir ihm, entgegen dem Spruch „äe mortuis Eil Bisi bene" nichts Gutes nachrühmen können, so trägt er selbst die Schuld daran. Daß er die Hoffnungen, welche die Juristenwelt auf ihn setzte, nicht erfüllt hat — von seinen gesetzgeberischen Plänen stieß mancher bei den Volksvertretern aus erfolgreichen Widerspruch — interessiert an dieser Stelle nicht. Wohl aber verdient noch einmal im Zusammenhang verzeichnet zu werden, welche Stellung der Hort des Rechts uns Juden gegenüber eingenommen hat und inebesondere denen gegenüber, die seinem Reffort unterstellt waren. Diese Stellung läßt sich dahin charakterisieren: Berufen dazu, die Anwendung von Gesetz und Recht zu überwachen und zu leiten, hat der höchste Justizbeamte Preußens nicht den Mut oder die Energie beiessen, die Gleichberechtigung auch jüdischen Amtsbewerbern gegenüber rückhaltlos zur Anerkennung zu bringen. So schwer diese Anklage klingt, die Tatsachen haben den unanfechtbaren Beweis erbracht, daß sie zu Recht erhoben wird. Unter Herrn Schönstedts Regiment sind die höheren Richterämter den Juden grundiätzltch verschloffen worden. Rar in wenigen Ausnahmefällen ist ein Jude, so lange er an der Spitze des Justizministeriums stand, 85

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