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Im deutschen Reich · 1905-11-01 · Heft 11 (November 1905) · p. 612

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
11 (1905)
Issue
Heft 11 (November 1905)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1905-11-01
Page
612 (sequence 3)
Language
German
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012 Im deutschen Reick der Frau vertreten zu haben. An der Hand zahlreicher Beläge aus der heiligen Schrift und dem Talmud wurde der Nachweis geführt, daß der Gedanke der Achtung vor dem weiblichen Geschlecht bei den Juden bereits von frühester Zeit an entwickelt war. Auf dieser Wertschätzung beruhe von alters her die Heiligkeit, Reinheit und Innigkeit des jüdischen Familienlebens, das ohne gleichen dastehe. Die jüsische Frau sei vollständig aufgegangen in der Erfüllung ihrer Pflichten als treu sorgende Gefährtin des Mannes und als Erzieherin der Kinder. Ihr gebühre auch der größte Teil des Verdienstes um die Pflege der Religiosität und des jüdischen Wohltätigkeitssinns. In dem jüdischen Familienleben mit seinen hohen ethischen Vorzügen sei die Hauptursache davon zu erblicken, daß das jüdische Volk in der Diaspora trotz aller Verfolgungen und Widerwärtigkeiten sich erhalten habe. Nur wer die richtige Vorstellung von dem unendlich hohen moralischen Werte des jüdischen Familienlebens und den Tugenden der Jüdin als Frau und Mutter habe, könne sich die wunderbare Tatsache der Erhaltung des jüdischen Stammes unter den denkbar ungünstigsten Existenzbedingungen erklären. Im weiteren Verlaufe des Vortrages schilderte der Redner, wie sich die Stellung der jüdischen Frau nach der Oeffnung der Ghertotore gestaltet habe. Zwar sei von dem weitaus größten Teile der weiblichen Bevölkerung jüdischen Glaubens in Deutschland das herrliche Erbe frommer, edler Mütter bewahrt worden und habe sich stets segensreich bewährt, aber es hätten sich doch in den alleruntersten Schichten und den sogenannten höheren Kreisen vereinzelte Zeichen einer gewiffen Vernachlässigung der Mutterpflichten, wenn man sie in dem hohen Sinne unserer Vorfahren auffaßt, bemerkbar gemacht. Dies gebe zu ernstem Nachdenken Anlaß. Daran knüpfte der Vortragende herzliche Mahnungen zu einer gemütstiefen Religiosität, zur praktischen Kulturarbeit in jüdischen Kreisen und außerhalb derselben und zum charaktervollen Verhalten in und außer dem Haus. Auch für die jüdische Frau müffe wie für den jüdischen Mann die Losung bleiben „Frei und Treu!" — Langanhaltender, sich mehrfach wiederholender Beifall folgte diesen Ausführungen; dann drückte der Vorsitzende dem Redner in herzlichen Worten den Dank des Vorstands aus, dem sich die zahlreiche Versammlung anschloß, indem sie dem Vortragenden durch Erheben von den Sitzen nochmals ihre Anerkennung zollte. Nach kurzer Pause machte der Vorsitzende, wiederholt durch Kundgebungen lebhafter Zustimmung unterbrochen, intereffante geschäftliche Mitteilungen. Der durch die Versendung der Mitglieder - Verzeichniffe und einer dem Oktoberheft des Vereinsorgans beigefügten „Aufforderung zu Werbungen" wesentlich

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